Monday, 15. October 2012
"Tatort Internet: Phishing, Hacking, Malware etc. - nationale und internationale Bekämpfungsstrategien"
von Fredy Künzler
"Tatort Internet: Phishing, Hacking, Malware etc. - nationale und internationale Bekämpfungsstrategien" lautete der vielversprechende Titel einer Veranstaltung des Europainstitutes der Universität Zürich. Als Familienvater ist man ja nicht etwa üppig mit freien Feierabenden gesegnet, trotzdem nahm ich mir die Zeit, im gut gefüllten Hörsaal Platz zu nehmen. Nach einer Einführung durch Alt-Regierungsrat Dr. Markus Notter konnte erst Max Klaus, der stv. Leiter von MELANI seine Sicht der Dinge darlegen, gefolgt von Dr. Alexander Seeger, Leiter der Abteilung Datenschutz und Computerkriminalität des Europarats, der primär Worthülsen und Buzzwords bemühte, und schliesslich der Leitende Oberstaatsanwalt des Kantons Zürich, Dr. Andreas Brunner, der die Anliegen der Strafverfolgung beleuchtete.
Dabei fiel natürlich der eine oder andere Fachbegriff, das liess sich nicht vermeiden. Das Publikum zeigte sich dabei erschreckend uninformiert: als Seeger nachfragte, ob denn alle wüssten, was ein Botnetz sei, musste die ganz grosse Mehrheit mit "neeeeiiiin" antworten.
Seeger wie die anderen Referenten verloren sich dann auch in Allgemeinplätzen, die in einigen bemerkenswerten Zitaten gipfelten: "Die Provider tun überhaupt nichts" (Seeger); "Ich habe von der Sache keine Ahnung" (Brunner) und "MELANI" hat nur 7,5 Vollstellen".
Das Thema DDOS wurde im Übrigen von allen drei Referenten sozusagen ausgeblendet, entsprechende Slides sofort übersprungen. Sei es, weil das mehrheitlich uninformierte Publikum keine Ahnung von DDOS hat, sei es, weil die Referenten keine angemessene Bekämpfungsstrategie gegen diese Art von Cybercrime wissen.
Überhaupt: eine Bekämpfungsstrategie für Cybercrime, also Titel und Anspruch der Veranstaltung, ist sozusagen nicht existent. Die Experten haben keinen blassen Schimmer, wie mit der Situation umzugehen sei. Kollektives Lamentieren über zu wenig Personal bei KOBIK (10 Vollstellen) und MELANI (7,5 Vollstellen) sowie über den Kantönligeist, der wegen der unterschiedlichen Strafgesetzen eine effiziente Bekämpfung von grenzüberschreitender Internetkriminalität verhindern würde, ist keine Strategie, eher ein Armutszeugnis. Auch Seeger, quasi ein "Guru" der Thematik, brillierte primär durch die Aufzählung von Symposien, Workshops und Konferenzen in allen Herren Ländern, an denen er und seine Leute teilnehmen würden. Man ist international gut vernetzt, bringt aber wenig zustande. Da passt es dann grad, wenn man die Provider ein bisschen oder auch ein bisschen fest basht, weil die ja so schrecklich unkooperativ seien und überhaupt nichts tun würden.
Dabei: während die Experten, wie an der Veranstaltung des Europainstituts sehr zahlreich vertreten, kaum DDOS buchstabieren können, bekämpfen vergleichsweise kleine Carrier wie Init7 erfolgreich DDOS Attacken von nicht weniger als 58 (in Worten: achtundfünfzig) Gigabit UDP Traffic ohne allzuviel Kollateralschaden. Und dafür müssen sie sich dann von den selbsternannten, hochbezahlten Experten à la Seeger als "untätig" und "unkooperativ" bezeichnen lassen. Die gleichen Experten, notabene üblicherweise Juristen oder solche, die es gerne geworden wären, verlangen dann, dass die Gesetzgebung Provider stärker in die Pflicht nimmt. Dass geht gut, weil a) Carrier und Serviceprovider keine Lobby haben und b) es ideal vom Versagen der Strafverfolgung und Justiz ablenkt. Vernebelungs-Schlagworte wie "Kinderpornogrphie", "Skimming", "Phishing", "Trojanisches Pferd", "Hacking" und "Malware" tun ein übriges, dass der uninformierte Internetbenutzer sowieso nur noch "Achtung, sehr Böse!" versteht und denkt, sein Provider müsse ihn schützen.
Dabei sind Provider überaus kooperativ, wenn es um das Aufspüren der "bösen Buben" im Netz geht, die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich kann dies zumindest im Fall von Init7 und Layer One bestätigen. Dass, fast ein Jahr nach besagter Razzia, sich die meisten der damals beschlagnahmten Server nach wie vor bei den Behörden befinden, lässt vermuten, dass die Personalknappheit tatsächlich besteht, allerdings bringt dies die Thematik auch nicht weiter.
Fazit: die Veranstaltung "Tatort Internet: Phishing, Hacking, Malware etc. - nationale und internationale Bekämpfungsstrategien" des Europainstituts der Uni Zürich war primär gut gemeint, aber alles andere als gut. Eine Strategie ist weit und breit nicht in Sicht, die Fachleute haben keine Ahnung, was man tun könnte und die Verbrecher im Netz treiben weiterhin meist unbehelligt ihr Unwesen. Der unfreiwillige Tipp von Oberstaatsanwalt Brunner, man möge verbrecherische Netz-Aktivitäten doch bitte in einem Kanton begehen, der nur drei Staatsanwälte auf der Lohnliste hätte, ist denn auch schon fast selbstironisch komisch.
"Tatort Internet: Phishing, Hacking, Malware etc. - nationale und internationale Bekämpfungsstrategien" lautete der vielversprechende Titel einer Veranstaltung des Europainstitutes der Universität Zürich. Als Familienvater ist man ja nicht etwa üppig mit freien Feierabenden gesegnet, trotzdem nahm ich mir die Zeit, im gut gefüllten Hörsaal Platz zu nehmen. Nach einer Einführung durch Alt-Regierungsrat Dr. Markus Notter konnte erst Max Klaus, der stv. Leiter von MELANI seine Sicht der Dinge darlegen, gefolgt von Dr. Alexander Seeger, Leiter der Abteilung Datenschutz und Computerkriminalität des Europarats, der primär Worthülsen und Buzzwords bemühte, und schliesslich der Leitende Oberstaatsanwalt des Kantons Zürich, Dr. Andreas Brunner, der die Anliegen der Strafverfolgung beleuchtete.
Dabei fiel natürlich der eine oder andere Fachbegriff, das liess sich nicht vermeiden. Das Publikum zeigte sich dabei erschreckend uninformiert: als Seeger nachfragte, ob denn alle wüssten, was ein Botnetz sei, musste die ganz grosse Mehrheit mit "neeeeiiiin" antworten.
Seeger wie die anderen Referenten verloren sich dann auch in Allgemeinplätzen, die in einigen bemerkenswerten Zitaten gipfelten: "Die Provider tun überhaupt nichts" (Seeger); "Ich habe von der Sache keine Ahnung" (Brunner) und "MELANI" hat nur 7,5 Vollstellen".
Das Thema DDOS wurde im Übrigen von allen drei Referenten sozusagen ausgeblendet, entsprechende Slides sofort übersprungen. Sei es, weil das mehrheitlich uninformierte Publikum keine Ahnung von DDOS hat, sei es, weil die Referenten keine angemessene Bekämpfungsstrategie gegen diese Art von Cybercrime wissen.
Überhaupt: eine Bekämpfungsstrategie für Cybercrime, also Titel und Anspruch der Veranstaltung, ist sozusagen nicht existent. Die Experten haben keinen blassen Schimmer, wie mit der Situation umzugehen sei. Kollektives Lamentieren über zu wenig Personal bei KOBIK (10 Vollstellen) und MELANI (7,5 Vollstellen) sowie über den Kantönligeist, der wegen der unterschiedlichen Strafgesetzen eine effiziente Bekämpfung von grenzüberschreitender Internetkriminalität verhindern würde, ist keine Strategie, eher ein Armutszeugnis. Auch Seeger, quasi ein "Guru" der Thematik, brillierte primär durch die Aufzählung von Symposien, Workshops und Konferenzen in allen Herren Ländern, an denen er und seine Leute teilnehmen würden. Man ist international gut vernetzt, bringt aber wenig zustande. Da passt es dann grad, wenn man die Provider ein bisschen oder auch ein bisschen fest basht, weil die ja so schrecklich unkooperativ seien und überhaupt nichts tun würden.
Dabei: während die Experten, wie an der Veranstaltung des Europainstituts sehr zahlreich vertreten, kaum DDOS buchstabieren können, bekämpfen vergleichsweise kleine Carrier wie Init7 erfolgreich DDOS Attacken von nicht weniger als 58 (in Worten: achtundfünfzig) Gigabit UDP Traffic ohne allzuviel Kollateralschaden. Und dafür müssen sie sich dann von den selbsternannten, hochbezahlten Experten à la Seeger als "untätig" und "unkooperativ" bezeichnen lassen. Die gleichen Experten, notabene üblicherweise Juristen oder solche, die es gerne geworden wären, verlangen dann, dass die Gesetzgebung Provider stärker in die Pflicht nimmt. Dass geht gut, weil a) Carrier und Serviceprovider keine Lobby haben und b) es ideal vom Versagen der Strafverfolgung und Justiz ablenkt. Vernebelungs-Schlagworte wie "Kinderpornogrphie", "Skimming", "Phishing", "Trojanisches Pferd", "Hacking" und "Malware" tun ein übriges, dass der uninformierte Internetbenutzer sowieso nur noch "Achtung, sehr Böse!" versteht und denkt, sein Provider müsse ihn schützen.
Dabei sind Provider überaus kooperativ, wenn es um das Aufspüren der "bösen Buben" im Netz geht, die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich kann dies zumindest im Fall von Init7 und Layer One bestätigen. Dass, fast ein Jahr nach besagter Razzia, sich die meisten der damals beschlagnahmten Server nach wie vor bei den Behörden befinden, lässt vermuten, dass die Personalknappheit tatsächlich besteht, allerdings bringt dies die Thematik auch nicht weiter.
Fazit: die Veranstaltung "Tatort Internet: Phishing, Hacking, Malware etc. - nationale und internationale Bekämpfungsstrategien" des Europainstituts der Uni Zürich war primär gut gemeint, aber alles andere als gut. Eine Strategie ist weit und breit nicht in Sicht, die Fachleute haben keine Ahnung, was man tun könnte und die Verbrecher im Netz treiben weiterhin meist unbehelligt ihr Unwesen. Der unfreiwillige Tipp von Oberstaatsanwalt Brunner, man möge verbrecherische Netz-Aktivitäten doch bitte in einem Kanton begehen, der nur drei Staatsanwälte auf der Lohnliste hätte, ist denn auch schon fast selbstironisch komisch.
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Tuesday, 5. June 2012
IPv6 - jetzt gilts ernst
von Fredy Künzler
Am 6. Juni 2012 ist bekanntlich IPv6 Launch Day und zu diesem Zweck hat Init7 eine kleine IPv6-Promotion Site gebastelt: www.ipv6.ch ... für alle, denen IPv6 schnurzegal ist: es hat ein ziemlich cooles IPv6-Video drauf (Hollywood-Style).
Am 6. Juni 2012 ist bekanntlich IPv6 Launch Day und zu diesem Zweck hat Init7 eine kleine IPv6-Promotion Site gebastelt: www.ipv6.ch ... für alle, denen IPv6 schnurzegal ist: es hat ein ziemlich cooles IPv6-Video drauf (Hollywood-Style).
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Thursday, 12. January 2012
Endlich: Fibre-to-the-home FTTH der Stadtwerke wird symmetrisch
von Fredy Künzler
Manchmal ist es eben doch so, dass stetiges Predigen, Evangelisieren, Nörgeln, konstruktives wie destruktives Kritisieren oder simples Rumzicken etwas nützt.
Heute luden die vereinigten Stadtwerke ewz, sgsw, Stadtwerk Winterthur, Luzern, Meilen/Herrliberg sowie zwei, drei weitere zum gemeinsamen Wholesale-Informationsanlass nach Zürich. Nebst den üblichen Verdächtigen der Branche an solchen, mittlerweile etwas rareren Anlässe als auch schon, überraschten die Werke mit einem neuen Produktportfolio, welches das alte (notabene fast unbrauchbare) ablösen soll.
Konkret sollen die bisher asymmetrischen FTTH Anschlüsse, z.B. 10/2mbps oder 50/5mbps durch symmetrische Profile (sic!) abgelöst werden. Ich traute erst meinen Ohren nicht, als dies verkündet wurde, denn seit der Einführung von FTTH fordere ich, dass man FTTH nicht künstlich kastrieren soll. Fibre-to-the-home in der Bandbreiten-Ausprägung eines herkömmlichen ADSL/VDSL oder Cable-Anschluss hat meines Erachtens einfach keine Berechtigung. Während bei Cable (Koaxial-Kupferkabel) oder ADSL/VDSL (Zweidraht-Kupferleitung) die technische Limitierung ein asymmetrisches Profil verlangt, gibt es bei FTTH diese Einschränkung nicht. Doch die verantwortlichen Produktmanager der Stadtwerke haben diese Profile trotz besseren Wissens so bestimmt. Und sind damit grandios gescheitert.
Vermutlich haben die miserablen Takerates (verkaufte vs. installierte Fibre-to-the-Home Anschlüsse) zu einem Umdenken bei den Produktmanagern der Stadtwerke geführt. Wenn man - trotz à-fond-perdu Gebührenfinanzierung der Strom/Wasser/Gas-Kunden - derart hinter dem Businessplan wie die FTTH Projekte in den verschiedenen Städten herhinkt und - im Hinblick auf zu gewinnende Abstimmungen über weitere FTTH Ausbauten (Zürich, Winterthur) - unbedingt aufholen muss, dann ist vermutlich jedes Mittel recht, diesem Ansinnen gerecht zu werden. Und so werden symmetrische Profile für Privatkunden bei den Werken plötzlich salonfähig, wenngleich man stets diese zu vermeiden versuchte, weil diese angeblich die teureren Businessprofile kannibalisieren würden.
Wie dem auch sei: für die FTTH-wannabe-Kunden sind die News von heute sehr gut. Wholesale-Preis für Provider wie angebotene Bandbreiten kann man durchaus als attraktiv bezeichnen. Konkret werden die Profile wie folgt vereinheitlicht (für Privat- wie für Businesskunden):
10/10 (mbps)
20/20
30/30
50/50
100/100
Privat- und Business-Profile unterscheiden sich nur noch durch SLA / Serviceleistungen und natürlich dem Preis.
Privatkunden im Einzugsgebiet von ewz zürinet und der anderen angeschlossenen Werke dürfen sich zudem auf ein sehr attraktives Pricing freuen. Die Provider haben bislang zwar keine Endkunden-Preise kommuniziert, monatliche Tarife zwischen CHF 40 fürs 10/10 Abo und CHF 120-150 fürs 100/100 Abo (nur Internet, ohne Triple-Play) scheinen durchaus möglich zu sein, berücksichtigt man die kommunizierte Wholesale-Preisliste. Verfügbar sein sollten die neuen Profile ab dem 1. April 2012.
Und so bekommt die viel gescholtene Layer-2 Plattform der Werke plötzlich eine Berechtigung, weil Preis und Bandbreitenprofil im Vergleich zu Cable-Internet und xDSL plötzlich sehr attraktiv werden. Ob damit die Layer-2 Plattform rentabel wird, wage ich zu bezweifeln, allerdings ist der mutmassliche Preisunterschied zu Layer-1 FTTH (ALO Access Line Optical) derart klein, dass sich mancher Provider gut überlegen wird, in Layer-1 zu investieren.
Für die Werke sind die symmetrischen Profile vermutlich die letzte Chance eines Befreiungsschlags, um eine kritische Masse an Kunden auf die Layer-2 Plattform zu bringen. Ansonsten wäre sie nämlich von den Stimmberechtigten und Gebührenzahlern still und leise beerdigt worden (in Zürich und Winterthur stehen 2012 FTTH Abstimmungen an über insgesamt mehrere hundert Millionen Franken).
Manchmal ist es eben doch so, dass stetiges Predigen, Evangelisieren, Nörgeln, konstruktives wie destruktives Kritisieren oder simples Rumzicken etwas nützt.
Heute luden die vereinigten Stadtwerke ewz, sgsw, Stadtwerk Winterthur, Luzern, Meilen/Herrliberg sowie zwei, drei weitere zum gemeinsamen Wholesale-Informationsanlass nach Zürich. Nebst den üblichen Verdächtigen der Branche an solchen, mittlerweile etwas rareren Anlässe als auch schon, überraschten die Werke mit einem neuen Produktportfolio, welches das alte (notabene fast unbrauchbare) ablösen soll.
Konkret sollen die bisher asymmetrischen FTTH Anschlüsse, z.B. 10/2mbps oder 50/5mbps durch symmetrische Profile (sic!) abgelöst werden. Ich traute erst meinen Ohren nicht, als dies verkündet wurde, denn seit der Einführung von FTTH fordere ich, dass man FTTH nicht künstlich kastrieren soll. Fibre-to-the-home in der Bandbreiten-Ausprägung eines herkömmlichen ADSL/VDSL oder Cable-Anschluss hat meines Erachtens einfach keine Berechtigung. Während bei Cable (Koaxial-Kupferkabel) oder ADSL/VDSL (Zweidraht-Kupferleitung) die technische Limitierung ein asymmetrisches Profil verlangt, gibt es bei FTTH diese Einschränkung nicht. Doch die verantwortlichen Produktmanager der Stadtwerke haben diese Profile trotz besseren Wissens so bestimmt. Und sind damit grandios gescheitert.
Vermutlich haben die miserablen Takerates (verkaufte vs. installierte Fibre-to-the-Home Anschlüsse) zu einem Umdenken bei den Produktmanagern der Stadtwerke geführt. Wenn man - trotz à-fond-perdu Gebührenfinanzierung der Strom/Wasser/Gas-Kunden - derart hinter dem Businessplan wie die FTTH Projekte in den verschiedenen Städten herhinkt und - im Hinblick auf zu gewinnende Abstimmungen über weitere FTTH Ausbauten (Zürich, Winterthur) - unbedingt aufholen muss, dann ist vermutlich jedes Mittel recht, diesem Ansinnen gerecht zu werden. Und so werden symmetrische Profile für Privatkunden bei den Werken plötzlich salonfähig, wenngleich man stets diese zu vermeiden versuchte, weil diese angeblich die teureren Businessprofile kannibalisieren würden.
Wie dem auch sei: für die FTTH-wannabe-Kunden sind die News von heute sehr gut. Wholesale-Preis für Provider wie angebotene Bandbreiten kann man durchaus als attraktiv bezeichnen. Konkret werden die Profile wie folgt vereinheitlicht (für Privat- wie für Businesskunden):
10/10 (mbps)
20/20
30/30
50/50
100/100
Privat- und Business-Profile unterscheiden sich nur noch durch SLA / Serviceleistungen und natürlich dem Preis.
Privatkunden im Einzugsgebiet von ewz zürinet und der anderen angeschlossenen Werke dürfen sich zudem auf ein sehr attraktives Pricing freuen. Die Provider haben bislang zwar keine Endkunden-Preise kommuniziert, monatliche Tarife zwischen CHF 40 fürs 10/10 Abo und CHF 120-150 fürs 100/100 Abo (nur Internet, ohne Triple-Play) scheinen durchaus möglich zu sein, berücksichtigt man die kommunizierte Wholesale-Preisliste. Verfügbar sein sollten die neuen Profile ab dem 1. April 2012.
Und so bekommt die viel gescholtene Layer-2 Plattform der Werke plötzlich eine Berechtigung, weil Preis und Bandbreitenprofil im Vergleich zu Cable-Internet und xDSL plötzlich sehr attraktiv werden. Ob damit die Layer-2 Plattform rentabel wird, wage ich zu bezweifeln, allerdings ist der mutmassliche Preisunterschied zu Layer-1 FTTH (ALO Access Line Optical) derart klein, dass sich mancher Provider gut überlegen wird, in Layer-1 zu investieren.
Für die Werke sind die symmetrischen Profile vermutlich die letzte Chance eines Befreiungsschlags, um eine kritische Masse an Kunden auf die Layer-2 Plattform zu bringen. Ansonsten wäre sie nämlich von den Stimmberechtigten und Gebührenzahlern still und leise beerdigt worden (in Zürich und Winterthur stehen 2012 FTTH Abstimmungen an über insgesamt mehrere hundert Millionen Franken).
Geschrieben von Fredy Künzler
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Monday, 14. November 2011
Carsten Schloter will die Netzneutralität aufgeben
von Fredy Künzler
Beängstigend, was Swisscom-CEO Carsten Schloter am Samstag im Interview mit dem Tages-Anzeiger von sich gibt:
Was Swisscom-CEO Carsten Schloter hier sehr verklausuliert erklärt, ist nichts anderes als sein Plan, die Netzneutralität aufzugeben. Anders gesagt: wer als Content-Anbieter zahlt, bekommt privilegierten Access zum Swisscom Netz und deren Kunden. Wer nicht zahlt, wird ausgebremst (man nennt dies Throttling). Carsten Schloter und Swisscom vollziehen damit eine 180-Grad Kehrtwende - vor Jahresfrist behauptete man gegenüber Inside-IT noch das Gegenteil:
Anders gesagt - legen wir dem Herr Schloter ein Wort in den Mund: "Was kümmert uns unser Geschwätz von letztem Jahr, wenn es die sinkenden Festnetz-Umsätze auffängt und der Aktionärsrendite dienlich ist?" ... wenn wir also bald schon Werbung wie die nachstehende sehen, dann soll niemand sagen, wir hätten es nicht kommen sehen:
Beängstigend, was Swisscom-CEO Carsten Schloter am Samstag im Interview mit dem Tages-Anzeiger von sich gibt:
[...] Tages-Anzeiger: In den Niederlanden hat das Parlament entschieden, dass Mobilfunkanbieter keine Zusatzgebühren für die Nutzung von Diensten wie Whatsapp oder Skype verlangen dürfen. Was bedeutet das für die Schweiz?
Carsten Schloter: Für uns wäre es sowieso nie infrage gekommen, für solche Dienste zusätzliche Gebühren zu erheben oder sie gar zu sperren. Das ist nicht bei allen Anbietern so. Sunrise zum Beispiel behält sich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen vor, Internettelefonie zu blockieren. Wir glauben, dass sich die Entwicklung nicht aufhalten lässt. Mich interessiert eine andere Diskussion viel mehr: Dürfen die Telecomanbieter gegenüber Internetkonzernen wie Skype, Google oder Apple ebenfalls abgestufte Angebote machen? Wenn also Apple will, dass die Kunden einen iTunes-Song in möglichst kurzer Zeit herunterladen können, dürfen wir dem Konzern einen Premium-Dienst verkaufen?
Und, dürfen Sie?
Faktisch wird das heute gemacht, ja. Die Anbieter von digitalen Inhalten zahlen dafür, dass ihre Kunden ein besseres Erlebnis haben. Wäre jeder iTunes-Song am Apple-Hauptsitz in Cupertino gespeichert, würde der Download ewig dauern. Apple bezahlt dafür, dass die Daten näher am Kunden gespeichert werden.
Die Swisscom bekommt Geld von Apple?
Noch nicht, aber hoffentlich bald. Heute sind die Daten ausserhalb des Swisscom-Netzes bei Grosskonzernen wie Akamai zwischengespeichert. Die Datenvolumen wachsen aber so schnell, dass das nicht mehr reicht. Der Speicher muss noch tiefer ins Netz, noch näher an den Kunden. Das ist die Chance für die Swisscom: Wir bauen Datenspeicher und bieten sie Apple und anderen Firmen nicht-diskriminierend an.
Wie konkret sind diese Pläne?
Sehr konkret.
Heisst das, die Swisscom verdient bald an jedem iTunes-Song mit?
Nicht an jedem Download, aber an jedem im Swisscom-Speicher abgelegten Musikstück. Wir werden Speicherkapazität in verschiedenen Güteklassen anbieten. Wer mehr bezahlt, dem garantieren wir das bessere Kundenerlebnis.
Wie viel lässt sich mit einer solchen Dienstleistung verdienen?
Das ist schwierig zu sagen. Ein Player wie Akamai macht über eine Milliarde Dollar Umsatz. Das Potenzial für die Swisscom liegt also vielleicht im zweistelligen Millionenbereich. Zumindest am Anfang. Später dann vielleicht sogar im dreistelligen Millionenbereich.
[...]
Was Swisscom-CEO Carsten Schloter hier sehr verklausuliert erklärt, ist nichts anderes als sein Plan, die Netzneutralität aufzugeben. Anders gesagt: wer als Content-Anbieter zahlt, bekommt privilegierten Access zum Swisscom Netz und deren Kunden. Wer nicht zahlt, wird ausgebremst (man nennt dies Throttling). Carsten Schloter und Swisscom vollziehen damit eine 180-Grad Kehrtwende - vor Jahresfrist behauptete man gegenüber Inside-IT noch das Gegenteil:
[...] Für Branchenprimus Swisscom ist der Zugang zum Breitbandnetz um so attraktiver, je mehr und bessere Inhalte erreicht werden können. "Wir haben daher kein Interesse daran, Internetinhalte zu blockieren oder deren Übertragung zu verlangsamen", sagt Swisscom-Mediensprecher Olaf Schulze auf Anfrage. [...]
Anders gesagt - legen wir dem Herr Schloter ein Wort in den Mund: "Was kümmert uns unser Geschwätz von letztem Jahr, wenn es die sinkenden Festnetz-Umsätze auffängt und der Aktionärsrendite dienlich ist?" ... wenn wir also bald schon Werbung wie die nachstehende sehen, dann soll niemand sagen, wir hätten es nicht kommen sehen:
Geschrieben von Fredy Künzler
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15:32
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Tags für diesen Artikel: carsten schloter, net neutrality, netneutrality, netzneutralität, obstruktionspolitik, swisscom
Thursday, 16. June 2011
Sollen Stadtwerke als Internet Service Provider an den Markt gehen?
von Fredy Künzler
In meiner Funktion als Gemeinderat (Parlamentarier) der Stadt Winterthur habe ich vor einigen Wochen eine sogenannte "Schriftliche Anfrage" mit dem Titel Erweiterung des Service Public von Stadtwerk: Internet-Dienstleistungen eingereicht. Damit will ich die Diskussion initiieren, ob ein Stadtwerk auch als Internet Provider am Markt auftreten kann und soll. Bekanntlich bauen diverse Stadtwerke der Schweiz (ewz Zürinet, sgsw u.a.) für teures Gebührengeld Layer-2 FTTH Plattformen auf, die aber von den Endkunden viel zuwenig gefragt sind. Bevor Winterthur den selben Fehler wie andere Werke macht, fordere ich vom Stadtrat (Exekutive) eine klare Evaluation aller Modelle. Das "Werk-als-ISP" Modell funktioniert beispielsweise in Deutschland bestens, nur in der Schweiz wird dieses Layer-3 Modell bislang vornehm ignoriert - vermutlich, weil OpenAxs was anderes predigt...
Heute nun hat der Landbote, die Stadtzeitung von Winterthur, meine Schriftliche Anfrage thematisiert und einen sehr guten, allgemeinverständlichen Artikel publiziert, den ich meiner Leserschaft keinesfalls vorenthalten möchte. Die Antwort des Stadtrats soll übrigens bis zum 18. Juli vorliegen, dann nämlich läuft die dreimonatige Frist ab.
In meiner Funktion als Gemeinderat (Parlamentarier) der Stadt Winterthur habe ich vor einigen Wochen eine sogenannte "Schriftliche Anfrage" mit dem Titel Erweiterung des Service Public von Stadtwerk: Internet-Dienstleistungen eingereicht. Damit will ich die Diskussion initiieren, ob ein Stadtwerk auch als Internet Provider am Markt auftreten kann und soll. Bekanntlich bauen diverse Stadtwerke der Schweiz (ewz Zürinet, sgsw u.a.) für teures Gebührengeld Layer-2 FTTH Plattformen auf, die aber von den Endkunden viel zuwenig gefragt sind. Bevor Winterthur den selben Fehler wie andere Werke macht, fordere ich vom Stadtrat (Exekutive) eine klare Evaluation aller Modelle. Das "Werk-als-ISP" Modell funktioniert beispielsweise in Deutschland bestens, nur in der Schweiz wird dieses Layer-3 Modell bislang vornehm ignoriert - vermutlich, weil OpenAxs was anderes predigt...
Heute nun hat der Landbote, die Stadtzeitung von Winterthur, meine Schriftliche Anfrage thematisiert und einen sehr guten, allgemeinverständlichen Artikel publiziert, den ich meiner Leserschaft keinesfalls vorenthalten möchte. Die Antwort des Stadtrats soll übrigens bis zum 18. Juli vorliegen, dann nämlich läuft die dreimonatige Frist ab.
Konkurrenz statt Subventionen
Die Kooperation von Stadtwerk und Swisscom beim Ausbau des Glasfasernetzes gehe auf Kosten Winterthurs, sagt SP-Gemeinderat Fredy Künzler. Er rät Stadtwerk, die Swisscom alleine bauen zu lassen oder aber auf dem Netz selbst als Provider tätig zu werden.
David Herter
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, sagte Michail Gorbatschow. In Sachen Glasfasernetzausbau in Winterthur könnte es aber umgekehrt laufen. Das hofft zumindest Fredy Künzler. Der SP-Gemeinderat und Internetunternehmer rät dem Stadtrat in einer Schriftlichen Anfrage den Ausbau nicht wie bisher geplant anzugehen. Es gelte aus den Fehlern der Stadt St. Gallen zu lernen. Diese sei Winterthur beim Ausbau des Glasfasernetzes zwar um einige Jahre voraus, habe aber das falsche Modell gewählt.
In St. Gallen werden vier Glasfasern in die Häuser verlegt. Zwei Fasern hat sich die Swisscom gesichert, die anderen zwei gehören St. Gallen. Sie können von Providern gemietet werden, die darauf Dienstleistungen wie Telefon, Internet oder Fernsehen anbieten. Der Vorteil: Die Nutzer können ihren Provider frei wählen und wechseln. Der Nachteil: Die erhältlichen Dienstleistungen sind den meisten Kunden zu teuer. «Die Verkaufszahlen hinken massiv hinter dem Businessplan her. Die Defizite müssen mit Gebührengeldern gedeckt werden», sagt Künzler. Gleiches drohe in Winterthur, wenn auch hier das Netz in Kooperation mit Swisscom gebaut werde. «Es ist zu vermuten, dass Stadtwerk mit seinen Fasern auf keinen vernünftigen Marktanteil kommen wird, weil Cablecom und Sunrise nicht darauf setzen werden.»
Der grosse Profiteur werde die Swisscom sein, sagt Künzler. «Weil das St. Galler Modell zu wenig attraktiv ist für die Konkurrenz, wird die Swisscom einen Marktanteil von über 80 Prozent erreichen.» Von den geschätzten Kosten von 100 Millionen Franken für den Ausbau des Glasfasernetzes in Winterthur will die Swisscom aber lediglich 60 Millionen übernehmen. «Die Subventionierung der Swisscom durch Stadtwerk ist deshalb ein realistisches Szenario, das es zu verhindern gilt.».
Swisscom: «Erfahrung fehlt»
Die Swisscom hält Künzlers Annahmen für falsch. «Die neuen Glasfasernetze in Kooperation sind erst im Bau, folglich gibt es noch keine Erfahrungswerte», sagt Mediensprecher Sepp Huber. «Die Aufteilung der Investitionen von 60:40 ist realistisch.» Die Swisscom geht davon aus, dass etwa Cablecom über kurz oder lang auf das städtische Glasfasernetz setzen und als Folge der eigene Marktanteil sinken wird. Eine Einschätzung, der Künzler «vehement» widerspricht. Viel wahrscheinlicher sei es, dass die bereits existierenden Kabelnetzbetreiber ihr bestehendes Netz punktuell mit eigenen Glasfasern ergänzen würden.
Eine Kooperation mache auch deshalb je länger je weniger Sinn, weil die Swisscom das Glasfasernetz in Eigenregie bereits seit einem Jahr in Seen und bald in Mattenbach ausbaue, sagt Künzler. Zumindest für die angeschlossenen Quartiere werde es im Nachhinein kaum Gründe geben, die Kosten für den gesamtstädtischen Ausbau mitzutragen. «Stadtwerk sollte deshalb entweder keine Vorlage für den Ausbau mehr bringen oder selber als Provider tätig werden.» Neben Wasser, Gas und Strom würde Stadtwerk den Winterthurerinnen und Winterthurern in diesem Fall auch Internetdienstleistungen anbieten.
Stadtwerk mit Vorteilen
«Noch hat es der Stadtrat in der Hand, den Service public auszubauen und eine echte Alternative anzubieten», sagt Künzler. Als etablierte Marke geniesse Stadtwerk bei den Kunden mehr Vertrauen als unbekannte Provider und werde damit zur echten Konkurrenz für die Swisscom. Abrechnen könnte Provider Stadtwerk seine Dienstleistungen auf bewährte Art und Weise: mit einer Rechnung alle drei Monate.
Geschrieben von Fredy Künzler
in Politik
um
15:08
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Leserbrief im Landboten: Hellgrün (GLP) trägt ein hellbraunes Unterhemd





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