von Fredy Künzler
Swisscom-Boss Carsten Schloter verkündet Durchhalteparolen. Was will er anders? Die
heute veröffentlichten Halbjahreszahlen sehen nicht wirklich gut aus. Weniger Umsatz, massiv weniger Reingewinn, mehr MitarbeiterInnen. Ich seh bereits den nächsten Stellenabbau als drohende Schlagzeile auf uns zukommen ...
Der Tagi
zitiert aus der Telefonkonferenz mit Schloter:
Schloter begründete dies mit Sonderfaktoren. Im Rechtsstreit um die Tarife auf der letzten Meile erhöhte die Swisscom die Rückstellungen um 180 Millionen Franken. Mit Rückstellungen von total 537 Millionen Franken sei die Swisscom nun aber ausreichend abgesichert, sagte Schloter. Das Bundesgericht hatte am 21. April entschieden, dass die Swisscom in den Jahren 2000 bis 2003 von der Konkurrenz zu hohe Interkonnektionsgebühren verlangt hatte.
Jetzt bekommt also Swisscom die Quittung für frühere Abzockereien, was wiederum Sunrise zu einem unerwartet
guten Resultat verhalf. Für die
drohende WEKO Busse über 489 Millionen Franken glaubt Schloter jedoch, noch keine Rückstellungen tätigen zu müssen: "Swisscom sei ja genügend abgesichert". Soso.
Einiges Interessantes liest man in der Medienmitteilung:
Das starke Wachstum bei den Breitbandanschlüssen im Segment Fixnet ist ungebrochen: Die Zahl der Kunden stieg um 32,2% auf 1,25 Mio. Vom Bestand entfallen 846’000 Anschlüsse auf Bluewin-Kunden und 407’000 auf Kunden von anderen Anbietern.
Damit hatte Bluewin am 30. Juni 2006 67.5% ADSL Marktanteil. Sunrise gab in ihrer
Medienmitteilung 204000 ADSL Kunden an, was 16.3% Marktanteil entspricht. Die restlichen 16.2% verteilen sich auf über
zwei Dutzend andere Provider. Dass Bluewin diesen Marktanteil nicht nur mit lauteren Mitteln erreicht hat, wurde hier und anderswo auch schon erörtert.
Die Monopolrente ist weiterhin rückläufig:
Die Zahl der analogen und digitalen Anschlüsse verringerte sich als Folge des intensiven Infrastrukturwettbewerbs mit Kabelnetzgesellschaften und der Substitution durch Mobilfunk um 2,1% auf 3,79 Mio.
Ende 2004 waren es noch
3.9 Millionen Festnetzanschlüsse. Swisscom verlor also 3% Festnetzanschlüsse in nur 18 Monaten, und mutmasslich wird sich dieser Trend sogar noch noch beschleunigen.
Der
Beitrag von 10vor10 bringt es auf den Punkt: Cablecom (und andere) graben der Swisscom massiv das Wasser ab, das eigentlich die Festnetz-Mühle antreiben soll - denn das Festnetz ist dank Monopolrente (
Reingewinn daraus ~ 1.3 Milliarden Franken pro Jahr) immer noch die Cashcow. Diese Erträge werden, auch im Zusammenhang mit dem
beschlossenen Unbundling, in ganz naher Zukunft wegbrechen. Denn das Kupferkabel wird für andere Telefonieanbieter
weniger kosten als CHF 25.25, dem heutigen Tarif für einen analogen Telefonanschluss.
Die grosspurige Ankündigung Schloters, dass Cablecom bald die Konkurrenz des
Bluewin-TV zu spüren kriege, klingt doch bloss wie eine Durchhalteparole.
Die miserablen Zahlen von Swisscom IT Services und Swisscom Solutions sind dann bloss noch der Dessert für Schloter:
Der Umsatz von Swisscom Solutions nahm als Folge des Preis- und Wettbewerbsdrucks ab. [...] Der EBITDA von Swisscom IT Services wird belastet durch erhöhte Aufwendungen für die Entwicklung von neuen Märkten sowie Rückstellungen für Vertragsrisiken im Projektgeschäft von CHF 49 Mio.
Es scheint fast, als hätte
der Jens dem Carsten einige Leichen im Keller hinterlassen.
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