Monday, 14. November 2011
Carsten Schloter will die Netzneutralität aufgeben
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Also Moment... so wie ich das verstehe spricht Schloter hier davon, mit Swisscom ins CDN-Business einzusteigen...
Und wie wird daraus "Netzneutralität aufgeben" und "Throttling"?
Und wie wird daraus "Netzneutralität aufgeben" und "Throttling"?
Also viel Fantasie braucht es dafür nicht. "Wer viel extra zahlt kriegt schnelleren Service" ist das selbe wie "wer nix extra zahlt muss nehmen was bleibt / wird gebremst".
Ich hatte übers Wochenende ja auch die Swisscom verteidigt (auch wenn ich nix mit Swisscom am Hut habe), denn die Verbindung zur Aushebelung der Netzneutralität hat sich mir auch nicht ganz erschlossen. Aber: Bei genauerem Durchlesen des Interviews bin ich mir am Ende trotzdem nicht mehr ganz so sicher, denn obwohl Schloter von einem nicht-diskriminierendem Angebot handelt, heisst es eine Frage weiter unten "Wer mehr bezahlt, dem garantieren wir das bessere Kundenerlebnis.". Das regt zumindest zum Nachdenken an...
Fragt sich halt ob "Wer mehr bezahlt, dem garantieren wir das bessere Kundenerlebnis." einfach nur eine Verkaufsphrase ist ("Ja die Server stehen in CH und sind somit naeher am Kunden!!!!") oder da wirklich was dahinter steckt...
"Nicht-Diskriminierend" bedeutet in dem Fall, dass jeder Content-Anbieter, egal ob er Amazon, Akamai, Apple, Limelight oder SuperfastCDN zu gleichen Konditionen zahlen kann. Wer nicht zahlt, wird diskriminiert.
Ich kann da einen Bezug zur Netzneutralität auch nicht ganz erkennen. Wenn ich dem ISP mehr zahle und damit eine höhere Bandbreite bekomme, kriege ich ja auch das bessere "Kundenerlebnis". Oder macht ihr das bei Init7 anders? Ich würde da nicht dem ISP vorwerfen, dass er die Netzneutralität ritzt weil er meinen Zugang drosselt.
So wie ich das verstehe bietet Swisscom den Grosskonzernen Storage an und bindet diesen Storage je nach Preis schneller oder langsamer ans Netz an.
So wie ich das verstehe bietet Swisscom den Grosskonzernen Storage an und bindet diesen Storage je nach Preis schneller oder langsamer ans Netz an.
Das wird denke ich immer mehr von den Staaten übernommen.
Die grossen Telcos sind es wohl lästig immer mehr Bandbreite zur Verfügung stellen für grosse Content Anbieter und dabei nichts deren Ihren Kuchen abzubekommen (Gehört sich ja auch nicht für einen Provider).
Somit will man diese Kosten auf die Kunden abwälzen. Dies wurde schon vor Jahren so prognostiziert.
Hoffe aber in der Schweiz werden sie auf grösseren Widerstand stossen wenn sie sowas einführen werden (oder Kundenzuwachs für Provider die kein Extra Geld dafür verlangen
)
Hier auch ein nettes Beispiel:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Netzneutralitaetsabschaltung-per-API-1378089.html
Die grossen Telcos sind es wohl lästig immer mehr Bandbreite zur Verfügung stellen für grosse Content Anbieter und dabei nichts deren Ihren Kuchen abzubekommen (Gehört sich ja auch nicht für einen Provider).
Somit will man diese Kosten auf die Kunden abwälzen. Dies wurde schon vor Jahren so prognostiziert.
Hoffe aber in der Schweiz werden sie auf grösseren Widerstand stossen wenn sie sowas einführen werden (oder Kundenzuwachs für Provider die kein Extra Geld dafür verlangen
Hier auch ein nettes Beispiel:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Netzneutralitaetsabschaltung-per-API-1378089.html
wo ist denn die rede von "kosten auf den kunden" abwälzen? bezahlen soll der content provider, dafür dass er seinen content quasi bei swisscom lagern kann, was natürlich zur besseren und schnellere erreichbarkeit für swisscom kunden bedeutet(und im endeffekt auch zur traffic-entlastung vom internet).
und ausgebremst wird dabei ja auch niemand. oder sehe ich da etwas falsch?
und ausgebremst wird dabei ja auch niemand. oder sehe ich da etwas falsch?
Dein Titel hört sich lustig an "Schloter will Netzneutralität aufgeben" - als ob die jemals etwas gewesen wäre, für das Swisscom gekämpft hätte oder so.
Swisscom (wie alle Telcos) möchte gern von beiden Seiten abkassieren. In Telco-Sprech nennt sich das "two-sided business model". Hier ist z.B. ein aktueller Artikel dazu im Zusammenhang mit Deutsche Telekom:
http://www.lightreading.com/blog.asp?blog_sectionid=384&doc_id=214712&
In diesem Artikel wird auch vermutet, dass die Content-Leute für diese Zahlungen, die die Telcos sich erhoffen, Gegenleistungen erwarten werden. Eben dazu hat Schloter in dem Interview Ideen gebracht: Swisscom würde Platz auf ihrem Swisscom-CDN vermieten, damit diese privilegierten Inhalte dann mit besserer Latency zu den Kunden kommen. (Mein technischer Einwand ist hier, dass ein oder zwei Akamai-Standorte in der Schweiz eigentlich gut genug wären, um gute Latency zu garantieren; die Fiber-RTT von Genf nach Zürich sind 100ms; bei LTE werden es immer noch zweistellige ms-Werte sein. Mehr CDN-Standorte können schon noch etwas helfen, aber hauptsächlich, indem sie Bottlenecks im Verteilnetz der Telcos vermeiden.)
Ob es wirklich zu diesem two-sided business model kommt, weiss ich nicht. Ich habe den Eindruck, dass die Telcos das schon lange versuchen, aber mangels Marktmacht im Fix-Internet nie richtig geschafft haben (manche Telcos können vermutlich über Akamai ein wenig vom Content-Transport verrechnen, aber das reicht ihnen nicht). Jetzt machen sie einen neuen Anlauf mit den mobilen Netzen, weil die ja ach so teuer sind.
Eigentlich finde ich ja, dass es reicht, wenn Telcos sich wie alle ISPs von einer Seite bezahlen lassen, in diesem Fall von den Konsumenten. Dank den Content-Leuten wie Google, Facebook und Apple gibt es ja überhaupt die NACHFRAGE nach immer mehr mobiler Internet-Konnektivität. Eigentlich sollten Swisscom und Konsorten darüber FROH SEIN.
Die Tatsache, dass immer mehr Bandbreite verlangt wird, die Zahlungsbereitschaft dafür aber begrenzt ist, ist für Telcos schwer zu akzeptieren. Aber eigentlich ist das im ICT-Business ganz normal! Und dank Moore's Law kann man ja auch für konstantes Geld immer mehr Bandbreite bauen. Intel habe ich auch noch nie jammern hören, dass sie nur wegen der Software-Hersteller immer schnellere Chips bauen müssen, und Microsoft oder wer auch immer sollte sie dafür subventionieren.
Meine Hoffnung ist, dass die Versuche der Telcos, solche "two-sided business models" (aka "double-dipping") einzuführen, im freien Markt scheitern werden.
Zum Beispiel könnten die Content-Owner die Telcos an manchen Stellen umrouten, indem sie an interessanten Stellen (Zürich HB usw.) Gratis-Hotspots bauen - damit könnten sie (Werbe- usw.) Geld verdienen und gleichzeitig die ach so überlasteten Netze der Telcos entlasten. Ich schätze mal, dass Swisscom usw. dann relativ schnell einsehen, dass ihnen das mehr schadet als nützt.
Swisscom (wie alle Telcos) möchte gern von beiden Seiten abkassieren. In Telco-Sprech nennt sich das "two-sided business model". Hier ist z.B. ein aktueller Artikel dazu im Zusammenhang mit Deutsche Telekom:
http://www.lightreading.com/blog.asp?blog_sectionid=384&doc_id=214712&
In diesem Artikel wird auch vermutet, dass die Content-Leute für diese Zahlungen, die die Telcos sich erhoffen, Gegenleistungen erwarten werden. Eben dazu hat Schloter in dem Interview Ideen gebracht: Swisscom würde Platz auf ihrem Swisscom-CDN vermieten, damit diese privilegierten Inhalte dann mit besserer Latency zu den Kunden kommen. (Mein technischer Einwand ist hier, dass ein oder zwei Akamai-Standorte in der Schweiz eigentlich gut genug wären, um gute Latency zu garantieren; die Fiber-RTT von Genf nach Zürich sind 100ms; bei LTE werden es immer noch zweistellige ms-Werte sein. Mehr CDN-Standorte können schon noch etwas helfen, aber hauptsächlich, indem sie Bottlenecks im Verteilnetz der Telcos vermeiden.)
Ob es wirklich zu diesem two-sided business model kommt, weiss ich nicht. Ich habe den Eindruck, dass die Telcos das schon lange versuchen, aber mangels Marktmacht im Fix-Internet nie richtig geschafft haben (manche Telcos können vermutlich über Akamai ein wenig vom Content-Transport verrechnen, aber das reicht ihnen nicht). Jetzt machen sie einen neuen Anlauf mit den mobilen Netzen, weil die ja ach so teuer sind.
Eigentlich finde ich ja, dass es reicht, wenn Telcos sich wie alle ISPs von einer Seite bezahlen lassen, in diesem Fall von den Konsumenten. Dank den Content-Leuten wie Google, Facebook und Apple gibt es ja überhaupt die NACHFRAGE nach immer mehr mobiler Internet-Konnektivität. Eigentlich sollten Swisscom und Konsorten darüber FROH SEIN.
Die Tatsache, dass immer mehr Bandbreite verlangt wird, die Zahlungsbereitschaft dafür aber begrenzt ist, ist für Telcos schwer zu akzeptieren. Aber eigentlich ist das im ICT-Business ganz normal! Und dank Moore's Law kann man ja auch für konstantes Geld immer mehr Bandbreite bauen. Intel habe ich auch noch nie jammern hören, dass sie nur wegen der Software-Hersteller immer schnellere Chips bauen müssen, und Microsoft oder wer auch immer sollte sie dafür subventionieren.
Meine Hoffnung ist, dass die Versuche der Telcos, solche "two-sided business models" (aka "double-dipping") einzuführen, im freien Markt scheitern werden.
Zum Beispiel könnten die Content-Owner die Telcos an manchen Stellen umrouten, indem sie an interessanten Stellen (Zürich HB usw.) Gratis-Hotspots bauen - damit könnten sie (Werbe- usw.) Geld verdienen und gleichzeitig die ach so überlasteten Netze der Telcos entlasten. Ich schätze mal, dass Swisscom usw. dann relativ schnell einsehen, dass ihnen das mehr schadet als nützt.
Korrektur! In meinem Text fehlten ein paar Wörter... es muss heissen "die Fiber-RTT von Genf nach Zürich sind weniger als 5ms. Die Last-Hop-RTT bei UMTS liegt um 100ms; bei LTE werden es immer noch zweistellige ms-Werte sein"
Hoert sich fuer mich eher an, als wollte Swisscom ein CDN aufbauen, nicht den eigentlichen Speed zum Kunden regulieren.
Sehe im Verkaufen einer CDN Dienstleistung auch nicht per se als Verletzung der Netzneutralität.
In Form von Caches macht das die Swisscom/IP-Plus zusammen mit Youtube eh schon lange (einfach mal DNS Anfragen beobachten beim Aufruf irgendeines populären Videos). Das wollen sie wohl zur Profitfähigkeit ausbauen.
In Form von Caches macht das die Swisscom/IP-Plus zusammen mit Youtube eh schon lange (einfach mal DNS Anfragen beobachten beim Aufruf irgendeines populären Videos). Das wollen sie wohl zur Profitfähigkeit ausbauen.
Habe heute eine Frage für die Fragestunde des kommenden Montags 4. Juni 2012 eingereicht:
"Die Niederlande verankerten im Mai 2012 als erstes Land in Europa gesetzlich die (*Netzneutralität*). Ist der Bund bereit, sich – auch als Swisscom-Aktionär – für den diskriminierungsfreien Zugang und Datentransport aller Anbieter und Services einzusetzen? Sind Massnahmen auf Gesetzes- oder Verordnungsebene geplant, um zu verhindern, dass Telecom-Unternehmen den Internetverkehr von Kundinnen und Kunden blockieren, verlangsamen oder für die Nutzung bestimmter Dienste Zusatzgebühren verlangen?"
Bin gespannt, wie sich der Bundesrat äussert...
Balthasar Glättli, Nationalrat Grüne
"Die Niederlande verankerten im Mai 2012 als erstes Land in Europa gesetzlich die (*Netzneutralität*). Ist der Bund bereit, sich – auch als Swisscom-Aktionär – für den diskriminierungsfreien Zugang und Datentransport aller Anbieter und Services einzusetzen? Sind Massnahmen auf Gesetzes- oder Verordnungsebene geplant, um zu verhindern, dass Telecom-Unternehmen den Internetverkehr von Kundinnen und Kunden blockieren, verlangsamen oder für die Nutzung bestimmter Dienste Zusatzgebühren verlangen?"
Bin gespannt, wie sich der Bundesrat äussert...
Balthasar Glättli, Nationalrat Grüne

Leserbrief im Landboten: Hellgrün (GLP) trägt ein hellbraunes Unterhemd






Aufgenommen: Dec 09, 14:38