Sunday, 10. August 2008
Burst, 95-percentile, flat: warum Webserver mindestens 100 Mbps kriegen sollten
von Fredy Künzler
Peter Hogenkamp, Master of Desaster bei Blogwerk und Usability-Guru bei Zeix emailte gestern:
Peter berät einen Kunden mit einigen Webserver, die derzeit mit 4 Mbps ans Internet angebunden sind. Die Performance ist, zumindest zeitweise, unbefriedigend, und die simple Frage lautet: ist ein Upgrade der Internetanbindung auf 8 Mbps angezeigt (mit entsprechender Kostenfolge?).
Zur Beurteilung erhielt ich noch einige Parameter der Websites: pro Monat ca. 200000 Unique Users und 1 Million Pageimpressions, dazu den hinweis, dass die Startpage einer Website unüblich "fett" sei mit über 1 Mbyte. Eine detaillierte Trafficstatistik war auf die Schnelle leider nicht zu bekommen.
Machen wir also mal eine Milchbüechlirechnung: 200000 * 2 Mbyte entspricht ca. 400 Gbyte Traffic pro Monat. Mit einem Bandwidth-Caclulator kann man die notwendige Bandbreite abschätzen, um diesen Traffic abfackeln zu können - es sind ca. 1.3 Megabit pro Sekunde. Würde man also einen Monat lang, 24/7 1.3 Mbps Traffic durch eine Leitung schicken, würde am 30. Tag der transportierte Traffic 400 Gbyte betragen.
Allerdings: kein Webserver dieser Welt hat ein flaches Trafficprofil über 24/7. Im Gegenteil, während der Durchschnitt bei 1.16 Mbps liegt, peakt der Verkehr auf 2.94 Mbps:

Die Mustergrafik verdeutlicht das übliche Trafficpattern im Verlauf des Tages - mitten in der Nacht interessieren sich vergleichweise wenig Surfer für die Websites (vermutlich sind es v.a. die Bots der Searchengines auf Indizierungstour).
Zur Verdeutlichung nehme ich jetzt einfach mal an, dass die Anfrage des Kunden mit dem obigen Muster-Trafficprofil identisch ist. Der Kunde wäre schlecht beraten, sollten seine Server mit bloss 2 Mbps ans Internet angebunden sein. Auch die bestehende 4 Mbps Leitung ist schmalbrüstig, denn die in der Industrie üblichen Messungen mit z.B. Cacti basieren auf 5-Minuten Samples, und der Traffic könnte während Sekunden oder Minuten durchaus viel höher sein - die Folge: Congestion. Dies wird vor allem dann deutlich, wenn man eine längere Periode anschaut (übrigens basiert die Messung auf den Daten des Switchports - grün ist also outbound, blau inbound):


Soll der Kunde nun von 4 auf 8 Mbps upgraden? Ich denke nicht. Für eine wirklich performante Anbindung sollten die Server mit einer viel "dickeren" Leitung angebunden sein, z.B. 100 Mbps. Klar muss man im Schnitt bloss gut 2 Mbps abfrühstücken. Aber die kurzfristigen Peaks können gut und gerne Faktor 20 betragen. Ich schrieb deshalb an Peter:
Peter Hogenkamp, Master of Desaster bei Blogwerk und Usability-Guru bei Zeix emailte gestern:
Wenn Du Zeit und Lust hast, brauche ich eine kurze Expertise von Dir.Lust schon, Zeit naja ... also dann:
Peter berät einen Kunden mit einigen Webserver, die derzeit mit 4 Mbps ans Internet angebunden sind. Die Performance ist, zumindest zeitweise, unbefriedigend, und die simple Frage lautet: ist ein Upgrade der Internetanbindung auf 8 Mbps angezeigt (mit entsprechender Kostenfolge?).
Zur Beurteilung erhielt ich noch einige Parameter der Websites: pro Monat ca. 200000 Unique Users und 1 Million Pageimpressions, dazu den hinweis, dass die Startpage einer Website unüblich "fett" sei mit über 1 Mbyte. Eine detaillierte Trafficstatistik war auf die Schnelle leider nicht zu bekommen.
Machen wir also mal eine Milchbüechlirechnung: 200000 * 2 Mbyte entspricht ca. 400 Gbyte Traffic pro Monat. Mit einem Bandwidth-Caclulator kann man die notwendige Bandbreite abschätzen, um diesen Traffic abfackeln zu können - es sind ca. 1.3 Megabit pro Sekunde. Würde man also einen Monat lang, 24/7 1.3 Mbps Traffic durch eine Leitung schicken, würde am 30. Tag der transportierte Traffic 400 Gbyte betragen.
Allerdings: kein Webserver dieser Welt hat ein flaches Trafficprofil über 24/7. Im Gegenteil, während der Durchschnitt bei 1.16 Mbps liegt, peakt der Verkehr auf 2.94 Mbps:

Die Mustergrafik verdeutlicht das übliche Trafficpattern im Verlauf des Tages - mitten in der Nacht interessieren sich vergleichweise wenig Surfer für die Websites (vermutlich sind es v.a. die Bots der Searchengines auf Indizierungstour).
Zur Verdeutlichung nehme ich jetzt einfach mal an, dass die Anfrage des Kunden mit dem obigen Muster-Trafficprofil identisch ist. Der Kunde wäre schlecht beraten, sollten seine Server mit bloss 2 Mbps ans Internet angebunden sein. Auch die bestehende 4 Mbps Leitung ist schmalbrüstig, denn die in der Industrie üblichen Messungen mit z.B. Cacti basieren auf 5-Minuten Samples, und der Traffic könnte während Sekunden oder Minuten durchaus viel höher sein - die Folge: Congestion. Dies wird vor allem dann deutlich, wenn man eine längere Periode anschaut (übrigens basiert die Messung auf den Daten des Switchports - grün ist also outbound, blau inbound):


Soll der Kunde nun von 4 auf 8 Mbps upgraden? Ich denke nicht. Für eine wirklich performante Anbindung sollten die Server mit einer viel "dickeren" Leitung angebunden sein, z.B. 100 Mbps. Klar muss man im Schnitt bloss gut 2 Mbps abfrühstücken. Aber die kurzfristigen Peaks können gut und gerne Faktor 20 betragen. Ich schrieb deshalb an Peter:
Das Problem ist das Konzept. 4 Mbps oder 8 Mbps macht keinen Unterschied, es braucht eine 100 Mbps Leitung, also eine "burstable" Leitung. Das ist was Init7 mit Überzeugung verkauft, unsere Colocation-Kunden haben 100 Mbps Kapazität zur Verfügung, und zahlen je nach Verbrauch ein Commitment. Du kennst es ja von eurem Service. Abgerechnet wird dann nach der sogenannten 95% Regel.Zusammengefasst ist zu sagen, dass der Kunde mit einer 4 oder 8 Mbps Flatfee schlecht beraten ist. Nimmt er die grössere Bandbreite, wird er zwar immer noch kurzfristige Congestion sehen, allerdings zahlt er viel unbenutzte Bandbreite. Bei 4 Mbps kostet es zwar weniger, dafür ist die Performance mies - Abhilfe schafft bloss ein burstable Service mit 95%-Percentile Abrechung.
[...] Meine (pointierte) Meinung: Server, die nicht mit mindestens 100 Mbps ans Internet angebunden sind, sind eine Frechheit. Heute hat jeder Residential-VDSL schon 20 Mbps, Cable 10 Mbps, und FTTH wird morgen schon gegen 100 Mbps schnell sein, und mit einer schmalbrüstigen Leitung verärgert der Kunde bloss seine User. [...] Selbstverständlich darf man die anderen Faktoren wie performante und optimal konfigurierte Server und eine vernünftige Webseitengestaltung nicht ausser Acht lassen, aber in diesem Fall liegt der Bottleneck wohl schon an der Leitung. [...]
Geschrieben von Fredy Künzler
in Networks
um
12:26
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Tags für diesen Artikel: 95%, 95-prozent-regel, bandbreite, bandwidth, billing, blogwerk, init7, internet anbindung, ip transit, server, traffic, zeix
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