Saturday, 18. October 2008
Entwicklungen von Joost und Livestation: TV 2.0 und ... to P2P or not to?
von Fredy Künzler
Bis vor kurzem war ich bekanntlich Network Architect bei Zattoo, insofern habe ich einigens an Insiderwissen, das aber teilweise unter NDA steht. Selbstverständlich haben wir bei Zattoo immer beobachtet, was in der weiten Welt des sogenannten "IP-TV" passiert. In den letzten Tagen nun sind einige Dinge geschehen, die meines Erachtens richtungsweisend sind.
Joost hat sich vom Konzept der installierbaren Software verabschiedet und setzt auf eine Browserlösung. Das ist insofern bemerkenswert, weil man sich damit von der P2P (Peer-to-Peer) der Inhalte distanziert. Die P2P-Technologie haben die Macher von Joost ja seinerzeit im überaus erfolgreichen Skype und vorher bei Kazaa benutzt - die Technologie gilt als ausgereift. Trotzdem wirft man P2P über Board. Meines Erachtens hat dies folgende Gründe:
P2P funktioniert nur bei optimalen Netzwerkbedingungen wirklich gut, und je höher der Bandbreitenbedarf sowie der Anforderungen an Latenz und Paketloss sind, desto schwieriger wird es, vernünftige P2P-Ratios zu erreichen. Anders gesagt: Kazaa ist auf die erreichbare P2P-Geschwindigkeit relativ unempfindlich, der Download der MP3-Files dauert allenfalls einfach länger. Ebenso Skype: Packetloss und Jitter sind zwar ärgerlich, allerdings ist die übertragene Bandbreite von ca. 100kbps pro Voicecall vergleichsweise gering. Bei Joost hingegen sind die notwendigen Bandbreiten sehr hoch und zudem werden die User halbwegs "live" beschickt: während der Film schon gestarted wurde, läuft im Hintergrund weiterhin der Download. Ist die verfügbare Download-Rate langsamer als die Bitrate des Films, kommt es zu lästigen Stockungen und Unterbrüchen: die User-Experience ist im Eimer.
"Schuld" an der P2P Misere sind letztendlich die nach wie vor mageren Upload-Bandbreiten der herkömmlichen Breitbandanschlüsse, und sie sind zudem nicht selten überbucht, insbesondere in der Primetime. Abhilfe würde bloss künftiges FTTH (Fibre to the home) mit symmetrischen Anschlüssen schaffen, allerdings werden die bisher spärlich verfügbaren FTTH-Anschlüsse für Privatkunden künstlich "verkrüppelt" - sie bleiben also asymmetrisch.
Man ist also für P2P-Anwendungen in der realen Internet-Welt weit von idealen "Labor-Bedingungen" entfernt. Einen Hochschulcampus beispielsweise, wo jeder Client mindestens 100 Mbps via Kabel zur Verfügung hat, ist die Ausnahme. Darin könnte die P2P-Ratio auf bis zu 100% steigen, man braucht keine sogenannten Repeater-Server eines CDN (Content Delivery Networks). Doch die Internet-Welt mit 300kbps-Upstream ADSL-Anschlüssen ist natürlich eine andere Geschichte, insofern müssen viele Server an die grossen Internet-Knotenpunkte verteilt werden. Ich schätze, dass Joost nicht mehr als 10% P2P-Ratio erreichte, und die hauptsächlichen Datenmengen mit entsprechenden Kostenfolgen via eigene Server oder zugemietetes CDN verteilen musste. 10% Mehrkosten für Bandbreite ist ein Klacks, berücksichtigt man die Gesamtkosten eines solchen Venture-Capital-Projektes, und aus finanzieller Sicht fiel es den Verantwortlichen bei Joost vermutlich nicht schwer, P2P zu spülen. Man bekommt dadurch ja bekanntlich einen viel einfacheren Acceess für alle, oftmals mit einer Installation überforderten Benutzer. Die Häme über die Aufgabe von P2P der Kommentatoren war entsprechend. Damit ist bewiesen, dass das Businessmodell für TV-Anwendungen auch ohne P2P funktioniert (sofern es denn überhaupt funktioniert). Ich sage das schon lange, nur durfte ich bisher nicht öffentlich...
Livestation hingegen macht gewaltige Fortschritte. Das Programmangebot an professionellen Sendern im Vergleich zu Zattoo ist zwar nach wie vor oberdürftig, viel mehr als die üblichen verdächtigen Newssender in verschiedenen Sprachen gibt es nicht zu sehen. Doch die Innovation liegt darin, dass jedermann mit einem Video- oder Audiostream ganz locker seinen eigenen Radio- oder TV-Sender aufbauen kann. Damit geht Livestation als erstes Projekt in den Bereich "User-Generated-Live-TV", also TV 2.0.
Die Idee von TV 2.0 ist selbstverständlich nicht neu. Vermutlich denkt die geschätzte Leserschaft an Webcams, die anstelle von statischen Bildern einfach einen Stream liefern, und jeder Webcam-Besitzer kann damit schmerzfrei zum TV 2.0-Produzenten werden. Doch die TV 2.0 Option bei Livestation hat eine viel gefährlichere Komponente: wer hindert die "TV 2.0-Produzenten" daran, verschlüsselte oder regionale TV Signale anzuzapfen und global zur Verfügung zu stellen? Bei meinem heutigen Test konnte ich einige US-amerikanische Programme sehen, und auch populäre spanische Sender wie Antena 3 sind verfügbar. Bei Zattoo ist Antena 3 natürlich nur innerhalb von Spanien verfügbar, die Ländererkennung der Benutzer basiert auf Geo-IP Informationen.
Joost dürfte selbstverständlich solch ein Tun mittels Nutzungsbestimmungen verboten haben (ich pflege das Kleingedruckte üblicherweise nicht zu lesen). Ausserdem befinden sich sicher eine Handvoll Anwälte auf Joosts Payroll. Ich rechne mit bloss einigen Tagen, bis Joost von manchen Major- oder Pay-TV Stationen verklagt wird. Trotzdem ist es einen Schritt in die richtige Richtung - und dafür zitiere ich den Spiegel vom 1. April 2008:
Bis vor kurzem war ich bekanntlich Network Architect bei Zattoo, insofern habe ich einigens an Insiderwissen, das aber teilweise unter NDA steht. Selbstverständlich haben wir bei Zattoo immer beobachtet, was in der weiten Welt des sogenannten "IP-TV" passiert. In den letzten Tagen nun sind einige Dinge geschehen, die meines Erachtens richtungsweisend sind.
Joost hat sich vom Konzept der installierbaren Software verabschiedet und setzt auf eine Browserlösung. Das ist insofern bemerkenswert, weil man sich damit von der P2P (Peer-to-Peer) der Inhalte distanziert. Die P2P-Technologie haben die Macher von Joost ja seinerzeit im überaus erfolgreichen Skype und vorher bei Kazaa benutzt - die Technologie gilt als ausgereift. Trotzdem wirft man P2P über Board. Meines Erachtens hat dies folgende Gründe:
P2P funktioniert nur bei optimalen Netzwerkbedingungen wirklich gut, und je höher der Bandbreitenbedarf sowie der Anforderungen an Latenz und Paketloss sind, desto schwieriger wird es, vernünftige P2P-Ratios zu erreichen. Anders gesagt: Kazaa ist auf die erreichbare P2P-Geschwindigkeit relativ unempfindlich, der Download der MP3-Files dauert allenfalls einfach länger. Ebenso Skype: Packetloss und Jitter sind zwar ärgerlich, allerdings ist die übertragene Bandbreite von ca. 100kbps pro Voicecall vergleichsweise gering. Bei Joost hingegen sind die notwendigen Bandbreiten sehr hoch und zudem werden die User halbwegs "live" beschickt: während der Film schon gestarted wurde, läuft im Hintergrund weiterhin der Download. Ist die verfügbare Download-Rate langsamer als die Bitrate des Films, kommt es zu lästigen Stockungen und Unterbrüchen: die User-Experience ist im Eimer.
"Schuld" an der P2P Misere sind letztendlich die nach wie vor mageren Upload-Bandbreiten der herkömmlichen Breitbandanschlüsse, und sie sind zudem nicht selten überbucht, insbesondere in der Primetime. Abhilfe würde bloss künftiges FTTH (Fibre to the home) mit symmetrischen Anschlüssen schaffen, allerdings werden die bisher spärlich verfügbaren FTTH-Anschlüsse für Privatkunden künstlich "verkrüppelt" - sie bleiben also asymmetrisch.
Man ist also für P2P-Anwendungen in der realen Internet-Welt weit von idealen "Labor-Bedingungen" entfernt. Einen Hochschulcampus beispielsweise, wo jeder Client mindestens 100 Mbps via Kabel zur Verfügung hat, ist die Ausnahme. Darin könnte die P2P-Ratio auf bis zu 100% steigen, man braucht keine sogenannten Repeater-Server eines CDN (Content Delivery Networks). Doch die Internet-Welt mit 300kbps-Upstream ADSL-Anschlüssen ist natürlich eine andere Geschichte, insofern müssen viele Server an die grossen Internet-Knotenpunkte verteilt werden. Ich schätze, dass Joost nicht mehr als 10% P2P-Ratio erreichte, und die hauptsächlichen Datenmengen mit entsprechenden Kostenfolgen via eigene Server oder zugemietetes CDN verteilen musste. 10% Mehrkosten für Bandbreite ist ein Klacks, berücksichtigt man die Gesamtkosten eines solchen Venture-Capital-Projektes, und aus finanzieller Sicht fiel es den Verantwortlichen bei Joost vermutlich nicht schwer, P2P zu spülen. Man bekommt dadurch ja bekanntlich einen viel einfacheren Acceess für alle, oftmals mit einer Installation überforderten Benutzer. Die Häme über die Aufgabe von P2P der Kommentatoren war entsprechend. Damit ist bewiesen, dass das Businessmodell für TV-Anwendungen auch ohne P2P funktioniert (sofern es denn überhaupt funktioniert). Ich sage das schon lange, nur durfte ich bisher nicht öffentlich...
Livestation hingegen macht gewaltige Fortschritte. Das Programmangebot an professionellen Sendern im Vergleich zu Zattoo ist zwar nach wie vor oberdürftig, viel mehr als die üblichen verdächtigen Newssender in verschiedenen Sprachen gibt es nicht zu sehen. Doch die Innovation liegt darin, dass jedermann mit einem Video- oder Audiostream ganz locker seinen eigenen Radio- oder TV-Sender aufbauen kann. Damit geht Livestation als erstes Projekt in den Bereich "User-Generated-Live-TV", also TV 2.0.
Die Idee von TV 2.0 ist selbstverständlich nicht neu. Vermutlich denkt die geschätzte Leserschaft an Webcams, die anstelle von statischen Bildern einfach einen Stream liefern, und jeder Webcam-Besitzer kann damit schmerzfrei zum TV 2.0-Produzenten werden. Doch die TV 2.0 Option bei Livestation hat eine viel gefährlichere Komponente: wer hindert die "TV 2.0-Produzenten" daran, verschlüsselte oder regionale TV Signale anzuzapfen und global zur Verfügung zu stellen? Bei meinem heutigen Test konnte ich einige US-amerikanische Programme sehen, und auch populäre spanische Sender wie Antena 3 sind verfügbar. Bei Zattoo ist Antena 3 natürlich nur innerhalb von Spanien verfügbar, die Ländererkennung der Benutzer basiert auf Geo-IP Informationen.
Joost dürfte selbstverständlich solch ein Tun mittels Nutzungsbestimmungen verboten haben (ich pflege das Kleingedruckte üblicherweise nicht zu lesen). Ausserdem befinden sich sicher eine Handvoll Anwälte auf Joosts Payroll. Ich rechne mit bloss einigen Tagen, bis Joost von manchen Major- oder Pay-TV Stationen verklagt wird. Trotzdem ist es einen Schritt in die richtige Richtung - und dafür zitiere ich den Spiegel vom 1. April 2008:
[...] Wer nun im [Zattoo]-Sender-Bouquet die BBC entdeckt und bereits frohlockt, wird allerdings umgehend enttäuscht: Die europäische TV-Landschaft bleibt auch online ein Sperrbezirk. Also bekommt Großbritannien die BBC, Frankreich das France-Paket, Deutschland ARD und ZDF. [...] So bleibt Zattoo wie das im letzten Jahr so übereifrig bejubelte, qualitativ hochwertige, aber weiterhin weitgehend inhaltsfreie Joost vorerst vor allem eines: Ein Ausblick auf das, was Web-TV möglich machen könnte, wenn es nur dürfte.Und Zattoo? Wie gesagt, ich bin nicht mehr dabei, meine Position ist heute jene eines Beobachters und Users. Vor ein paar Tagen feierte man eine Million User in Deutschland, ansonsten war man in den letzten Monaten leider hauptsächlich mit sich selber und einem grossen Verlust an Knowhow beschäftigt. Es dürfte deshalb kaum jemanden verwundern, dass Zattoo heute einen grossen Teil des Vorsprungs auf die Mitbewerber eingebüsst hat.
Geschrieben von Fredy Künzler
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Saturday, 19. May 2007
Online-Video Businessmodelle: apple.tv, Joost, kyte.tv, Youtube, Zattoo
von Fredy Künzler
Andreas Göldi schreibt in seinen "Beobachtungen zur Medienkonvergenz" einen überaus lesenswerten Blogeintrag über die Online-Video Businessmodelle von apple.tv, Joost, kyte.tv, Youtube, Zattoo und wie sie alle heissen. Dabei erklärt er auch diese Grafik:

Einen Aspekt hat Andreas allerdings ausgelassen: die Unterscheidung zwischen On-Demand Content (Joost, Youtube) und Live-Content (Zattoo). Doch auch für diesen Aspekt gibt es eine anschauliche Grafik:

Es ist das Servietten-Gekritzel von Zattoo-CEO Beat Knecht anlässlich der Office-Warming-Party. Heute-Redaktor Thomas "Bö" Benkö hat sich die Serviette geschnappt und der Nachwelt erhalten und später in einem "Heute" Artikel aufgearbeitet.
Nachtrag (14:26 Uhr): Dani Niklaus von internet-briefing.ch spinnt den Faden weiter und macht einige Überlegungen zu Zattoo und Microsoft:
Andreas Göldi schreibt in seinen "Beobachtungen zur Medienkonvergenz" einen überaus lesenswerten Blogeintrag über die Online-Video Businessmodelle von apple.tv, Joost, kyte.tv, Youtube, Zattoo und wie sie alle heissen. Dabei erklärt er auch diese Grafik:

Einen Aspekt hat Andreas allerdings ausgelassen: die Unterscheidung zwischen On-Demand Content (Joost, Youtube) und Live-Content (Zattoo). Doch auch für diesen Aspekt gibt es eine anschauliche Grafik:

Es ist das Servietten-Gekritzel von Zattoo-CEO Beat Knecht anlässlich der Office-Warming-Party. Heute-Redaktor Thomas "Bö" Benkö hat sich die Serviette geschnappt und der Nachwelt erhalten und später in einem "Heute" Artikel aufgearbeitet.
Nachtrag (14:26 Uhr): Dani Niklaus von internet-briefing.ch spinnt den Faden weiter und macht einige Überlegungen zu Zattoo und Microsoft:
Zattoo hat einen weiteren Vorteil für die SF & Co. Der kleine Nischenanbieter verfügt über wenige Zuschauer und ist abhängig von den Fernsehanstalten und deren Inhalten. Zattoo kann also in Verhandlungen keinen Druck ausüben. Würde sich SF auf Microsoft einlassen, sähe dieses Spiel anders aus. Microsoft ist ein starker Verhandlungspartner und hat eine grosse Zuschauerzahl. Sie sind mit dem Mediaplayer, der X-Box und dem MediaCenter hervorragend positioniert. Damit bieten sie dem Zuschauer viel Bequemlichkeit - vor dem Fernseher, auf dem Computer/Handy und das alles mit einem integrierten Player.Soso.
Aus dieser Perspektive ist Zattoo ein idealer Übernahmekandidat für Microsoft. Hat Zattoo alle Verträge mit den TV Stationen abgeschlossen, muss Zattoo nur noch gekauft und die Funktion des Zattoo Players in den Windows Media Player integriert werden…
Geschrieben von Fredy Künzler
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Sunday, 25. February 2007
Fine-Tuning der Bluewin Routen
von Fredy Künzler
Früher war Routing noch einfach. Jeder einigermassen autonome Provider mit einger AS Nummer hatte zwei Upstreams (Transits) und peerte über die Internet Exchanges TIX und / oder SwissIX. Mittels einer höhere local-pref wurde der Traffic über die Exchanges präferiert, und die Lastverteilung der zwei Transits erledigte zuverlässig der BGP4 Best Path Selection Algorithm. Also quasi einschalten und vergessen - ok, ab und an sollte man die Traffic Statistiken anschauen, es könnte ja sein, dass ein Link ohne etwas zu sagen ausgefallen ist.
Doch im bandbreitenfressenden Youtube-Joost-Zattoo Zeitalter ist es mit der Sorglosigkeit vorbei. Wir haben derzeit zwei dedizierte GigE Links zu Swisscom/IP Plus, und müssen uns deshalb um etwas Trafficverteilung bemühen, damit kein Link überläuft. Analysiert man den Traffic zu Swisscom etwas, stellt man bald fest, dass die 6 grossen Bluewin-Prefixe den Löwenanteil ausmachen (IP Plus schickt uns um die 370 Prefixe). Und deshalb gibt es in unseren Routern solche und ähnliche Konfigurationen:

Warten wir mal auf die Primetime heute und morgen abend - dann wird sich zeigen, ob meine Prognose der optimalen Trafficverteilung korrekt war. Minimalstes Drehen an einem Schräubchen bewirkt schnell mal zuviel des Guten ...
'Ein Prefix, ein Link' scheint nicht mehr allzufern. Und wer weiss, vielleicht reicht das bald auch nicht mehr. Möglicherweise müssen wir schon bald das Routing an gerade und ungerade IP Adressen verschieden handhaben ... was seinerzeit eine belächelte, unrealistische Quizfrage bei CCNA Tests galt, könnte bald schon Realität sein
- 10Gig hat auch seine Tücken.
- O'Reillys Grundlagen über BGP Traffic Engineering sind sicher die Lektüre wert.
- Künftig werden wohl CDN (Content Delivery Networks) die Breitband Provider fragen müssen, wo und wie sie denn gerne den Traffic hätten ... ich weiss, am liebsten gar nicht!
Früher war Routing noch einfach. Jeder einigermassen autonome Provider mit einger AS Nummer hatte zwei Upstreams (Transits) und peerte über die Internet Exchanges TIX und / oder SwissIX. Mittels einer höhere local-pref wurde der Traffic über die Exchanges präferiert, und die Lastverteilung der zwei Transits erledigte zuverlässig der BGP4 Best Path Selection Algorithm. Also quasi einschalten und vergessen - ok, ab und an sollte man die Traffic Statistiken anschauen, es könnte ja sein, dass ein Link ohne etwas zu sagen ausgefallen ist.
Doch im bandbreitenfressenden Youtube-Joost-Zattoo Zeitalter ist es mit der Sorglosigkeit vorbei. Wir haben derzeit zwei dedizierte GigE Links zu Swisscom/IP Plus, und müssen uns deshalb um etwas Trafficverteilung bemühen, damit kein Link überläuft. Analysiert man den Traffic zu Swisscom etwas, stellt man bald fest, dass die 6 grossen Bluewin-Prefixe den Löwenanteil ausmachen (IP Plus schickt uns um die 370 Prefixe). Und deshalb gibt es in unseren Routern solche und ähnliche Konfigurationen:
#sh ip prefix-lists BLUEWINVor ca. einer Stunde nun habe ich diese Prefix-Liste von
ip prefix-list BLUEWIN: 6 entries
seq 10 permit 62.202.0.0/15
seq 20 permit 81.62.0.0/15
seq 30 permit 83.76.0.0/14
seq 40 permit 85.0.0.0/13
seq 50 permit 213.3.0.0/16
seq 60 permit 195.186.0.0/16
ip prefix-list BLUEWIN seq 40 permit 85.0.0.0/13auf
ip prefix-list BLUEWIN seq 40 deny 85.0.0.0/13geändert, was zur Folge hatte, dass Traffic zum grössten Bluewin-Prefix 85.0.0.0/13 auf den anderen Link umgeschaltet wurde. Den immensen Effekt habe ich erwartet - hier 200 Mbps weniger, dort 200 Mbps mehr (die Umschaltung erfolgte um ca. 16:45, massgebend ist die helle und die dunkle orange Kurve):

Warten wir mal auf die Primetime heute und morgen abend - dann wird sich zeigen, ob meine Prognose der optimalen Trafficverteilung korrekt war. Minimalstes Drehen an einem Schräubchen bewirkt schnell mal zuviel des Guten ...
'Ein Prefix, ein Link' scheint nicht mehr allzufern. Und wer weiss, vielleicht reicht das bald auch nicht mehr. Möglicherweise müssen wir schon bald das Routing an gerade und ungerade IP Adressen verschieden handhaben ... was seinerzeit eine belächelte, unrealistische Quizfrage bei CCNA Tests galt, könnte bald schon Realität sein
[...] All odd-numbered hosts would have the one bit turned on in the last octet. Therefore, you need to check all hosts that have the one bit turned on (set to 1). You do not care about the other host bits. The default wild card mask for a /12 network is 0.0.15.255, but because you want to match only those hosts that have the one bit turned on, you will need a wildcard mask of 0.0.15.254. [...]Ach ja:
- 10Gig hat auch seine Tücken.
- O'Reillys Grundlagen über BGP Traffic Engineering sind sicher die Lektüre wert.
- Künftig werden wohl CDN (Content Delivery Networks) die Breitband Provider fragen müssen, wo und wie sie denn gerne den Traffic hätten ... ich weiss, am liebsten gar nicht!
Geschrieben von Fredy Künzler
in Networks
um
18:02
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Leserbrief im Landboten: Hellgrün (GLP) trägt ein hellbraunes Unterhemd





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