Wednesday, 7. January 2009
Hat Tamedia eine Internet-Strategie?
von Fredy Künzler
Gestern wurde bekannt, dass sich Tamedia am Stellensuchportal jobsuchmaschine.ch beteiligt. Dies dürfte kaum jemanden verwundern, denn jobsuchmaschine.ch ist nur eine von zahllosen, kürzlich erworbenen Beteilgungen durch Tamedia an Internetprojekten in der Schweiz: 24-komma-ungrad Prozent an Zattoo (nur das Schweiz-Geschäft), search.ch, tillate.com, homegate.ch ... vermutlich ist die Liste noch länger. Daneben unterhält man natürlich die jeweiligen Websites der Printprodukte, unter anderem tagesanzeiger.ch / Newsnetz, annabelle.ch, sonntagszeitung.ch, piazza.ch und natürlich 20min.ch.
Tamedia kauft also jeden halbwegs erfolgreichen Schweizer Content-Anbieter, den sie kriegen kann, und scheinbar wird auch anständig dafür gelöhnt - für die Minderheitsbeteiligung an Zattoo (Schweiz) wurden jedenfalls um die CHF 3 Mio bezahlt. Dass da manch ein Gründer schwach wird, ist verständlich.
jobsuchmaschine.ch hat jedenfalls eine bewegte Geschichte, ursprünglich versuchte man dort nämlich als search11.com eine "richtige" Suchmaschine zu betreiben. Das war freilich im oder kurz nach dem Hype ums Jahr 2002. Im April des letzten Jahres musste die jobsuchmaschine AG einen Kapitalschnitt durchführen. Man darf also spekulieren, ob Tamedias jüngste Akquisition mehr als den Inhalt des Portokässelis gekostet hat. Doch die bisherigen Eigner dachten vermutlich, dass Tamedia immer noch besser als der Totalverlust ist.
Anyway: Tamedia reisst sich unter den Nagel, was man kriegen kann. Eine Internet-Strategie scheint an der Werdstrasse jedoch nicht vorhanden zu sein. Man kann dort zwar "www" buchstabieren und hat erkannt, dass "Internet" und "Online" die "Zukunft" darstellen, aktiv gestalten will man respektive wohl eher kann man nicht. Kaum Crossbranding, kaum Nutzung von Synergien (die gegenseitigen Links in den Fusszeilen zählen nicht wirklich), (fast) jede Site existiert weiterhin individuell und hat mit den anderen nichts zu tun.
Auch auf technischer Seite gibts kaum Synergie: fast jedes Portal ist bei einem anderen Provider gehostet, und der Verwaltungsaufwand dafür dürfte eine halbe Abteilung im Glashaus beschäftigen. Doch wer weiss, vielleicht (minder-)beteiligt sich Tamedia ja bald schon an einem Internet-Provider, der dem "Hotel Tamedia" zu ein wenig Familienatmosphäre verhilft.
Update vom 8. Januar, 10:39: hmmm...
Gestern wurde bekannt, dass sich Tamedia am Stellensuchportal jobsuchmaschine.ch beteiligt. Dies dürfte kaum jemanden verwundern, denn jobsuchmaschine.ch ist nur eine von zahllosen, kürzlich erworbenen Beteilgungen durch Tamedia an Internetprojekten in der Schweiz: 24-komma-ungrad Prozent an Zattoo (nur das Schweiz-Geschäft), search.ch, tillate.com, homegate.ch ... vermutlich ist die Liste noch länger. Daneben unterhält man natürlich die jeweiligen Websites der Printprodukte, unter anderem tagesanzeiger.ch / Newsnetz, annabelle.ch, sonntagszeitung.ch, piazza.ch und natürlich 20min.ch.
Tamedia kauft also jeden halbwegs erfolgreichen Schweizer Content-Anbieter, den sie kriegen kann, und scheinbar wird auch anständig dafür gelöhnt - für die Minderheitsbeteiligung an Zattoo (Schweiz) wurden jedenfalls um die CHF 3 Mio bezahlt. Dass da manch ein Gründer schwach wird, ist verständlich.
jobsuchmaschine.ch hat jedenfalls eine bewegte Geschichte, ursprünglich versuchte man dort nämlich als search11.com eine "richtige" Suchmaschine zu betreiben. Das war freilich im oder kurz nach dem Hype ums Jahr 2002. Im April des letzten Jahres musste die jobsuchmaschine AG einen Kapitalschnitt durchführen. Man darf also spekulieren, ob Tamedias jüngste Akquisition mehr als den Inhalt des Portokässelis gekostet hat. Doch die bisherigen Eigner dachten vermutlich, dass Tamedia immer noch besser als der Totalverlust ist.
Anyway: Tamedia reisst sich unter den Nagel, was man kriegen kann. Eine Internet-Strategie scheint an der Werdstrasse jedoch nicht vorhanden zu sein. Man kann dort zwar "www" buchstabieren und hat erkannt, dass "Internet" und "Online" die "Zukunft" darstellen, aktiv gestalten will man respektive wohl eher kann man nicht. Kaum Crossbranding, kaum Nutzung von Synergien (die gegenseitigen Links in den Fusszeilen zählen nicht wirklich), (fast) jede Site existiert weiterhin individuell und hat mit den anderen nichts zu tun.
Auch auf technischer Seite gibts kaum Synergie: fast jedes Portal ist bei einem anderen Provider gehostet, und der Verwaltungsaufwand dafür dürfte eine halbe Abteilung im Glashaus beschäftigen. Doch wer weiss, vielleicht (minder-)beteiligt sich Tamedia ja bald schon an einem Internet-Provider, der dem "Hotel Tamedia" zu ein wenig Familienatmosphäre verhilft.
Update vom 8. Januar, 10:39: hmmm...
Geschrieben von Fredy Künzler
in Business
um
16:16
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Tags für diesen Artikel: akquisition, beteiligung, homegate, jobsuchmaschine, newsnetz, piazza, strategie, tagesanzeiger.ch, tamedia, tillate.com, übernahme, zattoo
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