Sunday, 9. September 2007
Die Konsolidierung des Schweizer Webhosting Marktes
von Fredy Künzler
Mehr als eine Million .ch Domains gibt es bereits in der Schweiz - erst vor kurzem konnte Registrar SWITCH dem Halter von ez14.ch gratulieren. Damit nimmt die Schweiz im globalen Vergleich bezogen auf die Bevölkerung eine Spitzenposition an registrierten Domains ein. Und jedermann denkt, dass im Wachstumsmarkt Webhosting noch viel Geld zu verdienen ist.
Dem ist nicht mehr so, wie die subjektive Beobachtung zeigt. Seit einigen Wochen trudeln immer häufiger Anfragen ein, ob Init7 interessiert sei, Hostingverträge zu übernehmen. Meistens geht es dabei um ein paar Dutzend bis ein- oder zweihundert Domains respektive Hostingverträge. Oder anders gesagt um vielleicht 10000 bis 20000 Franken potenziellen Jahresumsatz, nimmt man den Preis von CHF 9.90 des Marktführers der Deutschschweiz Hostpoint als Rechnungsgrundlage.
Dass sich viele Firmen mit dem Produkt "Nebenbeihosting" die Rechnung machen, ist verständlich, denn mit dem derzeitigen Marktpreis für Standard-Webhosting rechnet sich der Aufwand für Infrastruktur und Operations erst bei mehreren tausend Kunden. Anbieter mit professionellem Anspruch haben auch massiv aufgerüstet: viel mehr Speicherplatz und damit grösserer Backup-Aufwand (Cyon z.B. bietet seit kurzem standardmässig 10 GByte für CHF 8.90), immer ausgeklügeltere Spamfilter (das Mass der Dinge ist in der Schweiz wohl das Produkt Cleanmail von Nur-Mailanbieter Apexis) und redundante Internetanbindung ist heute Standard.
Genauso machen sich allerdings potenzielle Käufer von Webhostingverträgen die Rechnung. Sind nur eine Handvoll Verträge zu übernehmen, lohnt sich der Aufwand meistens nicht. Zu verschieden sind die Systeme - das eigene und das zu übernehmende - als dass eine Integration kurz und schmerzlos vonstatten gehen würde. Der Aderlass an Kunden ist bei einer solchen Umstellung immer beträchtlich, wenn man als Käufer mehr als 50% der Verträge für länger als 1 Jahr halten kann, muss man zufrieden sein - obwohl das defacto natürlich eine miserable Performance ist. Der ganze Aufwand für 20000 oder 30000 Franken - brutto und Umsatz, wohlverstanden (!). Mit anderen Worten: eine Übernahme von Webhostingverträgen rechnet sich selten früher als nach drei Jahren.
providerliste.ch listet derzeit 327 Einträge von Anbietern mit Webhosting mit über 500 Mbyte Speicherplatz. Das billigste Angebot ist für grad mal CHF 1.90 pro Monat zu haben. Ein Klick auf die Website des Anbieters zeigt, dass das kleinste Angebot sogar für 50 Rappen zu kriegen ist ... wer diesen Anbieter ernst nimmt, ist selber schuld.
Eine Konsolidierung im Schweizer Webhosting-Markt scheint unvermeidlich, und sie hat auch bereits begonnen. Inetconsult mit ca. 7500 Domains wurde vor kurzem von green.ch übernommen - damit hat sich green.ch schätzungsweise in die Top-3 der CH Webhoster katapultiert, nebst Hostpoint und Infomaniak. green.ch scheint diesen Weg beharrlich weitergehen zu wollen: übernehmen, integrieren, zumachen. Der Hoster Nexlink ist seit der Übernahme durch green.ch nur noch eine Marke, und die seinerzeit kommunizierte Absichtserklärung
Übrigens: Inetconsult war schon immer ein etwas spezieller Hoster. Man betrieb nämlich keine eigene Infrastruktur, sondern kaufte ein Whitelabelprodukt von IP Tech ein. Doch letztere musste ihre Selbständigkeit Ende 2006 aufgeben: IP Tech wurde vom Businessprovider Everyware übernommen. Ob sich diese Übernahme nach dem Wegfall des wichtigen Whitelabelkunden Inetconsult noch lohnt, bleibt offen.
Die Marktführer Hostpoint, green.ch und Infomaniak dürften sich kraft ihrer Grösse über komfortable Renditen freuen. Allerdings werden sie bedrängt durch innovative Runner-Ups wie Cyon oder Novatrend. Andere Anbieter, die nur unter anderem Webhosting anbieten, dürften auch längere Durststrecken durchhalten. Zu dieser Kategorie gehören nine.ch, Genotec, Cyberlink / Magnet oder Metanet. Doch für kleine "Nur-Hoster" dürfte das Eis, auf dem sie sich bewegen, zunehmend dünner werden.
Nicht zu vernachlässigen ist auch der Aspekt der beruflichen Entwicklung der Gründer von unabhängigen Webhostingfirmen. Oftmals haben sich junge Leute mit "Nebenbeihosting" das Studium finanziert, und die Firma hat sich entwickelt. Mit dem Abschluss der Ausbildung stellt sich die Frage nach dem "wie weiter?". Zu wenig Umsatz, über- oder falsch qualifizierte Gründer, neue berufliche Herausforderungen ... und das einst gehätschelte Kind "webhosting.ch GmbH" wird bald sehr einsam und vernachlässigt und soll verkauft werden, mit dem grossen Problem, dass ... siehe oben.
Mehr als eine Million .ch Domains gibt es bereits in der Schweiz - erst vor kurzem konnte Registrar SWITCH dem Halter von ez14.ch gratulieren. Damit nimmt die Schweiz im globalen Vergleich bezogen auf die Bevölkerung eine Spitzenposition an registrierten Domains ein. Und jedermann denkt, dass im Wachstumsmarkt Webhosting noch viel Geld zu verdienen ist.
Dem ist nicht mehr so, wie die subjektive Beobachtung zeigt. Seit einigen Wochen trudeln immer häufiger Anfragen ein, ob Init7 interessiert sei, Hostingverträge zu übernehmen. Meistens geht es dabei um ein paar Dutzend bis ein- oder zweihundert Domains respektive Hostingverträge. Oder anders gesagt um vielleicht 10000 bis 20000 Franken potenziellen Jahresumsatz, nimmt man den Preis von CHF 9.90 des Marktführers der Deutschschweiz Hostpoint als Rechnungsgrundlage.
Dass sich viele Firmen mit dem Produkt "Nebenbeihosting" die Rechnung machen, ist verständlich, denn mit dem derzeitigen Marktpreis für Standard-Webhosting rechnet sich der Aufwand für Infrastruktur und Operations erst bei mehreren tausend Kunden. Anbieter mit professionellem Anspruch haben auch massiv aufgerüstet: viel mehr Speicherplatz und damit grösserer Backup-Aufwand (Cyon z.B. bietet seit kurzem standardmässig 10 GByte für CHF 8.90), immer ausgeklügeltere Spamfilter (das Mass der Dinge ist in der Schweiz wohl das Produkt Cleanmail von Nur-Mailanbieter Apexis) und redundante Internetanbindung ist heute Standard.
Genauso machen sich allerdings potenzielle Käufer von Webhostingverträgen die Rechnung. Sind nur eine Handvoll Verträge zu übernehmen, lohnt sich der Aufwand meistens nicht. Zu verschieden sind die Systeme - das eigene und das zu übernehmende - als dass eine Integration kurz und schmerzlos vonstatten gehen würde. Der Aderlass an Kunden ist bei einer solchen Umstellung immer beträchtlich, wenn man als Käufer mehr als 50% der Verträge für länger als 1 Jahr halten kann, muss man zufrieden sein - obwohl das defacto natürlich eine miserable Performance ist. Der ganze Aufwand für 20000 oder 30000 Franken - brutto und Umsatz, wohlverstanden (!). Mit anderen Worten: eine Übernahme von Webhostingverträgen rechnet sich selten früher als nach drei Jahren.
providerliste.ch listet derzeit 327 Einträge von Anbietern mit Webhosting mit über 500 Mbyte Speicherplatz. Das billigste Angebot ist für grad mal CHF 1.90 pro Monat zu haben. Ein Klick auf die Website des Anbieters zeigt, dass das kleinste Angebot sogar für 50 Rappen zu kriegen ist ... wer diesen Anbieter ernst nimmt, ist selber schuld.
Eine Konsolidierung im Schweizer Webhosting-Markt scheint unvermeidlich, und sie hat auch bereits begonnen. Inetconsult mit ca. 7500 Domains wurde vor kurzem von green.ch übernommen - damit hat sich green.ch schätzungsweise in die Top-3 der CH Webhoster katapultiert, nebst Hostpoint und Infomaniak. green.ch scheint diesen Weg beharrlich weitergehen zu wollen: übernehmen, integrieren, zumachen. Der Hoster Nexlink ist seit der Übernahme durch green.ch nur noch eine Marke, und die seinerzeit kommunizierte Absichtserklärung
Brugg, 7. Dezember 2004 – green.ch übernimmt auf den 1. Januar 2005 die in Neuenburg beheimatete NexLink SA. Dadurch baut green.ch die Nummer 1 Position im Hosting-Geschäft klar aus und verstärkt die Präsenz in der Romandie. Die Westschweizer NexLink SA wird unter ihrem Namen weitergeführt, das Management und die Mitarbeitenden bleiben an Bord.ist längst Makulatur ... doch wer könnte es green.ch verargen? Das gleiche Schicksal dürfte auch Inetconsult erleiden - ohne Synergieeffekt rechtfertigt sich die Übernahme niemals.
Übrigens: Inetconsult war schon immer ein etwas spezieller Hoster. Man betrieb nämlich keine eigene Infrastruktur, sondern kaufte ein Whitelabelprodukt von IP Tech ein. Doch letztere musste ihre Selbständigkeit Ende 2006 aufgeben: IP Tech wurde vom Businessprovider Everyware übernommen. Ob sich diese Übernahme nach dem Wegfall des wichtigen Whitelabelkunden Inetconsult noch lohnt, bleibt offen.
Die Marktführer Hostpoint, green.ch und Infomaniak dürften sich kraft ihrer Grösse über komfortable Renditen freuen. Allerdings werden sie bedrängt durch innovative Runner-Ups wie Cyon oder Novatrend. Andere Anbieter, die nur unter anderem Webhosting anbieten, dürften auch längere Durststrecken durchhalten. Zu dieser Kategorie gehören nine.ch, Genotec, Cyberlink / Magnet oder Metanet. Doch für kleine "Nur-Hoster" dürfte das Eis, auf dem sie sich bewegen, zunehmend dünner werden.
Nicht zu vernachlässigen ist auch der Aspekt der beruflichen Entwicklung der Gründer von unabhängigen Webhostingfirmen. Oftmals haben sich junge Leute mit "Nebenbeihosting" das Studium finanziert, und die Firma hat sich entwickelt. Mit dem Abschluss der Ausbildung stellt sich die Frage nach dem "wie weiter?". Zu wenig Umsatz, über- oder falsch qualifizierte Gründer, neue berufliche Herausforderungen ... und das einst gehätschelte Kind "webhosting.ch GmbH" wird bald sehr einsam und vernachlässigt und soll verkauft werden, mit dem grossen Problem, dass ... siehe oben.
Geschrieben von Fredy Künzler
in Business
um
17:05
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