Tuesday, 1. February 2011
Das wars. Game over ... byebye IPv4, welcome IPv6.
von Fredy Künzler
Gestern respektive heute (je nach Zeitzone) hat IANA zwei /8 IPv4-Blöcke an APNIC vergeben. Der freie Pool schrumpft damit von 7 auf 5, und damit wird automatisch eine vordefinierte sogenannte "Global Policy" getriggert, welche die verbleibenden fünf /8 Blöcke an die fünf regionalen Internet Registries (RIRs) vergibt. AFRINIC, APNIC, ARIN, LACNIC und RIPE NCC erhalten damit nochmals je um die 16 Millionen IPv4 Adressen. Diese Menge Adressen wird global alle zwei bis drei Wochen verteilt, die Burnrate an IPv4 Adressen ist aktuell deutlich grösser als ein /8 (=~ 16 Mio. Adressen) pro Monat.
Es wird allgemein erwartet, dass die verbleibenden fünf /8 Blöcke mit grossem Medien-Brimborium in den nächsten Tagen vergeben werden (man munkelt, ex-US Präsident Bill Clinton würde den "Knopf" vor versammelten TV-Kameras drücken). Mediale Aufmerksamkeit ist sicher gut für einen forcierten IPv6 Rollout - denn ohne IPv6 würde die weitere Entwicklung des Internets stehen bleiben.
In einigen Monaten schon werden erstmals Internet-User keine IPv4 Adresse mehr erhalten, sondern ausschliesslich mit IPv6 unterwegs sein, und sie werden somit nicht auf Hosts und Websites zugreifen können, die nur über IPv4 angebunden sind. Es sei wieder einmal erwähnt, dass IPv6 mit IPv4 nicht abwärtskompatibel ist (!). Die Umstellung auf IPv6 ist wie wenn man global jeder Strasse einen neuen Namen und jedem Haus eine neue Nummer zuteilen müsste - das Adresschaos ist vorprogrammiert.
Im Frühling 2009 habe ich in meiner Funktion als Parlamentarier der Stadt Winterthur eine Anfrage an die Stadtregierung gestellt, ob und wie die städische Informatik (IDW) mit der Herausforderung IPv6 umgeht. In der Antwort - einer wortreichen, fünfseitigen Abhandlung - behauptete der Stadtrat am 24. Juni 2009 folgendes:
Gestern respektive heute (je nach Zeitzone) hat IANA zwei /8 IPv4-Blöcke an APNIC vergeben. Der freie Pool schrumpft damit von 7 auf 5, und damit wird automatisch eine vordefinierte sogenannte "Global Policy" getriggert, welche die verbleibenden fünf /8 Blöcke an die fünf regionalen Internet Registries (RIRs) vergibt. AFRINIC, APNIC, ARIN, LACNIC und RIPE NCC erhalten damit nochmals je um die 16 Millionen IPv4 Adressen. Diese Menge Adressen wird global alle zwei bis drei Wochen verteilt, die Burnrate an IPv4 Adressen ist aktuell deutlich grösser als ein /8 (=~ 16 Mio. Adressen) pro Monat.
Es wird allgemein erwartet, dass die verbleibenden fünf /8 Blöcke mit grossem Medien-Brimborium in den nächsten Tagen vergeben werden (man munkelt, ex-US Präsident Bill Clinton würde den "Knopf" vor versammelten TV-Kameras drücken). Mediale Aufmerksamkeit ist sicher gut für einen forcierten IPv6 Rollout - denn ohne IPv6 würde die weitere Entwicklung des Internets stehen bleiben.
In einigen Monaten schon werden erstmals Internet-User keine IPv4 Adresse mehr erhalten, sondern ausschliesslich mit IPv6 unterwegs sein, und sie werden somit nicht auf Hosts und Websites zugreifen können, die nur über IPv4 angebunden sind. Es sei wieder einmal erwähnt, dass IPv6 mit IPv4 nicht abwärtskompatibel ist (!). Die Umstellung auf IPv6 ist wie wenn man global jeder Strasse einen neuen Namen und jedem Haus eine neue Nummer zuteilen müsste - das Adresschaos ist vorprogrammiert.
Im Frühling 2009 habe ich in meiner Funktion als Parlamentarier der Stadt Winterthur eine Anfrage an die Stadtregierung gestellt, ob und wie die städische Informatik (IDW) mit der Herausforderung IPv6 umgeht. In der Antwort - einer wortreichen, fünfseitigen Abhandlung - behauptete der Stadtrat am 24. Juni 2009 folgendes:
[...] Die Stadt Winterthur kennt zurzeit keine Adressknappheit. Dank ihrer eigenen öffentlichen IPv4-Adressen, der ihr vom BIT (Bundesamt für Informatik) zugeteilten privaten IPv4-Adressen für den internen Gebrauch und der Verwendung von NAT verfügt die Stadtverwaltung über genügend Adressen für die kommenden Jahre. Die Informatikdienste (IDW) beobachten jedoch die Entwicklung von IPv6 in den öffentlichen Verwaltungen der Schweiz und werden dem Stadtrat rechtzeitig die Einleitung der nötigen Massnahmen vorschlagen. [...]Man beachte das Wort "rechtzeitig" der stadträtlichen Antwort ...
Geschrieben von Fredy Künzler
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Monday, 11. October 2010
NZZ am Sonntag über FTTB: Kollektiv-Internet ist schnell und günstiger
von Fredy Künzler
Die NZZ am Sonntag ging in ihrer gestrigen Ausgabe der Frage nach, weshalb sich günstiges Kollektiv-Internet noch nicht mehr durchgesetzt hat. In Wohnblöcken wird üblicherweise die Kabelfernseh-Gebühr via Nebenkostenabrechnung eingezogen, und dieses Kollektiv-Modell könnte auch für den Internetanschluss funktionieren, doch scheint noch kaum jemand auf diese Idee gekommen zu sein. Das Einsparpotenzial im administrativen Bereich ist für den Serviceprovider beträchtlich, und das resultiert in günstigeren Anschlussgebühren. Doch - wie die NZZaS schreibt - wollen das die meisten Serviceprovider gar nicht:
Der administrative Aufwand ist minimal: eine Rechnung pro Quartal an den Vermieter, der seinerseits mit der sowieso vorhandenen Mietzins- und Nebenkostenabrechnung auch gleich den Internet-Anschluss fakturiert. Dieser ist dank optimierten Abläufen vergleichsweise günstig und beläuft sich im vorliegenden Referenzprojekt auf CHF 17.50 im Monat pro 100/100mbps Port. Details zum Projekt haben wir in einem kurzen FTTB-Factsheet zusammengefasst.
Dass der 100mbps/100mbps-Anschluss durchaus von den Bewohnerinnen und Bewohner genutzt wird, verdeutlicht diese Traffic-Statistik von heute und sie straft all jene Lügen, die behaupten, der Mensch brauche keine symmetrische Bandbreite. Ist (notabene nicht überbuchte) Kapazität vorhanden, wird sie auch genutzt.

Und so sieht die ganze FTTB-Installation im Studenten-Wohnhaus in Winterthur aus:

Die NZZ am Sonntag ging in ihrer gestrigen Ausgabe der Frage nach, weshalb sich günstiges Kollektiv-Internet noch nicht mehr durchgesetzt hat. In Wohnblöcken wird üblicherweise die Kabelfernseh-Gebühr via Nebenkostenabrechnung eingezogen, und dieses Kollektiv-Modell könnte auch für den Internetanschluss funktionieren, doch scheint noch kaum jemand auf diese Idee gekommen zu sein. Das Einsparpotenzial im administrativen Bereich ist für den Serviceprovider beträchtlich, und das resultiert in günstigeren Anschlussgebühren. Doch - wie die NZZaS schreibt - wollen das die meisten Serviceprovider gar nicht:
[...] Gerade in grösseren Überbauungen wäre es vergleichsweise einfach, analog zum Kabel-TV auch einen kollektiven Internetzugang anzubieten. Das wäre deutlich schneller und vor allem viel günstiger als die meisten Angebote für Privatpersonen, die es auf dem Markt gibt. Doch Swisscom und andere Telekom-Anbieter verkaufen lieber die lukrativen individuellen Daten-Abos. [...]Unser hier schon kurz angedeutete FTTB (Fibre to the Building) Referenzprojekt in Winterthur kommt im NZZaS-Artikel auch zur Sprache:
[...] In einem Pilotprojekt, das Fredy Künzler gemeinsam mit dem Zürcher Service-Provider Init7 realisiert hat, ist ein solcher Kollektivanschluss bereits Realität. In einem neu erstellten Studentenwohnheim in Winterthur wurde in allen Wohneinheiten ein Breitband-Anschluss mit einem symmetrischen Datendurchsatz von 100 Mbps an das Internet eingebaut. Die Kosten von Fr. 17.50 pro Monat sind bereits im Mietzins enthalten. «Bei den Studenten kommt das Angebot bestens an», sagt Sarah Bügler von der Livit AG. [...]Damit kann ich jetzt die Katze endlich aus dem Sack lassen: Das neue Studentenhaus an der Unteren Briggerstrasse in Winterthur wurde von uns mit Gigabit-Ethernet über Glasfaser direkt an den 10Gig-Backbone angebunden. In den beiden Häusern erfolgt die Verteilung über Cat-5e UGV Verkabelung in jedes der 106 Zimmer. Die - teilweise auf den Etagen verteilten - Switches werden ebenfalls durch Init7 gemanagt und jeder Zimmeranschluss ist mit 100mbps symmetrisch angebunden. Selbstverständlich mit IPv4 und IPv6 - via DHCP. Also einstecken, läuft, schnell ... adieu, popeliges ADSL! Dass dabei kein Router oder Cable-Modem mehr benötigt wird, ist ein angenehmer Nebeneffekt - auch aus ökologischer Sicht. Wenngleich diese kleinen Appärätli nicht viel Strom verbrauchen, 106 mal 25 Watt sind auch fast 3 Kilowatt. Und bekanntlich ist die günstigste Energie jene, die gar nicht verbraucht wird. Für Techniker mag das Setup banal aussehen, und in der Tat: es ist alles andere als Rocket Science, jedes Campus-LAN ist komplizierter ...
Der administrative Aufwand ist minimal: eine Rechnung pro Quartal an den Vermieter, der seinerseits mit der sowieso vorhandenen Mietzins- und Nebenkostenabrechnung auch gleich den Internet-Anschluss fakturiert. Dieser ist dank optimierten Abläufen vergleichsweise günstig und beläuft sich im vorliegenden Referenzprojekt auf CHF 17.50 im Monat pro 100/100mbps Port. Details zum Projekt haben wir in einem kurzen FTTB-Factsheet zusammengefasst.
Dass der 100mbps/100mbps-Anschluss durchaus von den Bewohnerinnen und Bewohner genutzt wird, verdeutlicht diese Traffic-Statistik von heute und sie straft all jene Lügen, die behaupten, der Mensch brauche keine symmetrische Bandbreite. Ist (notabene nicht überbuchte) Kapazität vorhanden, wird sie auch genutzt.

Und so sieht die ganze FTTB-Installation im Studenten-Wohnhaus in Winterthur aus:

Geschrieben von Fredy Künzler
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Tuesday, 1. June 2010
Tages-Anzeiger: "Schweizer Elektrizitätswerke planen eine landesweite Datenautobahn"
von Fredy Künzler
Interessanter Artikel im Tages-Anzeiger von gestern: Schweizer Elektrizitätswerke planen eine landesweite Datenautobahn". 11 regionale und lokale Energieversorger haben sich im Verband OpenAXS zusammengeschlossen, um ein "Gegengewicht" zu Swisscom zu bilden:
Ein paar Beispiele: St. Gallen nimmt neben Zürich eine Vorreiter-Rolle ein, hat die Volksabstimmung zum Ausbau des Glasfasernetzes bereits hinter sich, und man setzt auf Layer-2 FTTH mit aktivenund notabene teuren - wen wunderts - Alcatel Komponenten. [Update / Korrektur: ewz Zürinet basiert auf Alcatel-Hardware, sgsw St.Gallen verwendet Ericsson-Komponenten.] In Bern braucht es keine Volksabstimmung, die ewb kann selbständig fuhrwerken. Winterthur liegt zurück, die vom zuständigen Stadtrat angekündigte Abstimmung im 2010 ist mittlerweile gestorben, es liegt noch nicht einmal eine Weisung zu handen des Stadtparlaments vor. In Basel favorisiert man ein Layer-1 FTTH und will den Serviceprovidern den Betrieb der des notwendigen Equipments überlassen, indem man bloss unbeleuchtete Glasfasern bis zum Endkunden anbietet. Zürichs ewz hingegen setzt wiederum auf Layer-2 FTTH und hat bereits ca. 8000 Haushalte erschlossen, die sogenannte "Take-Rate", also die Zahl der aktiven Anschlüsse ist jedoch verschwindend gering und dümpelt bei 5%, die sich zudem auf nicht weniger als 12 Serviceprovider verteilen. Und zu allem OpenAXS-Elend ist ewz nicht mal Mitglied im Verband.
Ausserdem ist man sich im OpenAXS Verband überhaupt nicht einig, wie die Produkte respektive die Port-Bandbreiten koordiniert werden sollen. St.Gallen hat ein 30mbps/30mbps Profil implementiert, während in Zürich man künstlich "kastrierte" asymmetrische Profile wie 10mbps/2mbps vorherrschen und die interessanten symmetrischen Profile für Heimanwender gar nicht zahlbar sind. Dies nur unter der Prämisse, die existierenden hochpreisigen Business-Anschlüsse nicht zu kanibalisieren, die Kehrseite ist jedoch, dass sich kaum jemand für FTTH interessiert, denn die Differenzierung zu herkömmliche ADSL-, VDSL- oder Cable-Anschlüssen ist marginal.
Ein weiterer Aspekt sind die unterschiedlichen Vorstellungen der Preisgestaltung für unbeleuchtete Glasfasern. Preise von (vernünftigen) 90 Rappen pro Meter und Jahr für ein Darkfibre-Paar bis zu (wucherpreisigen) 15 Franken für die selbe Leistung sind an der Tagesordnung - je nachdem in welcher Stadt man als Kunde eine Glasfaser einkaufen möchte.
Wie viel einfacher hat es da Swisscom: auch wenn das einstige PTT-Denken noch nicht ganz überwunden ist, hat man doch klare Vorstellungen über Produkte, Services und Optionen. Es gibt ein national einheitliches Produkt, eine straffe Umsetzung und vorhandene Provisionierungs-Systeme. Das ist um ein vielfaches zielführender als der Flickenteppich der Werke.
Aus meiner Sicht gibt es nur zwei Ansätze für die Energieversorger: entweder a) ein reines Layer-1 FTTH ab den Ortszentralen, wo Swisscom und alle anderen Serviceprovider ihr eigenes Equipment betreiben, und die Fibre zum Haushalt in einem System à la TAL-Kupferleitung zur Verfügung gestellt wird; oder b) ein richtiges Layer-3 FTTH, wo der Energieversorger als lokaler Internet Service Provider am Markt auftritt. Für b) spricht insbesondere, dass der lokale Stromversorger bereits eine Beziehung mit dem Endkunden hat, und gegen eine weitere Zeile "Internet Access" auf der Stromrechnung spricht eigentlich nichts. Dieses Modell funktioniert in Deutschland und Österreich übrigens bestens.
Das von den meisten OpenAXS-Mitgliedern favorisierte Layer-2 FTTH mit aktiven Komponenten ist bereits scheintot, bevor es überhaupt richtig zum Leben erwachte. Zumindest im Hinblick auf die wahrlich nicht berauschenden Take-Rates bei ewz Zürinet müsste man zu diesem Schluss kommen. Fakt ist: Layer-2 FTTH macht Fibre-to-the-home bloss teuer und unflexibel und damit nicht konkurrenzfähig zu VDSL, ADSL 2+ und mit DOCSIS 3.0 Cable-Internet.
Interessanter Artikel im Tages-Anzeiger von gestern: Schweizer Elektrizitätswerke planen eine landesweite Datenautobahn". 11 regionale und lokale Energieversorger haben sich im Verband OpenAXS zusammengeschlossen, um ein "Gegengewicht" zu Swisscom zu bilden:
Die Elektrizitätswerke wollen verhindern, dass die Swisscom sich zur Alleinherrscherin auf dem Glasfasernetz aufschwingen kann. Deshalb haben sie mit Franz Stampfli einen erfahrenen Telekommunikationsspezialisten an die Spitze des Verbandes Openaxs gewählt. [...]Stampfli, ex-Alcatel-Chef in der Schweiz, soll dem seit längerer Zeit vor sich hin dümpelnden OpenAXS Verband neuen Schwung verleihen. Doch dieses Unterfangen kommt vermutlich der Quadratur des Kreises ziemlich nahe. Stampfli:
«Dabei wurde mir klar, dass das Glasfasernetz gesamtschweizerisch verbunden sein muss. Nur so kann es kostengünstig betrieben werden. Ein Flickenteppich genügt nicht»Doch genau so ein Flickenteppich sind die einzelnen Städitschen Glasfasernetze, die sich ja im Allgemeinen im Besitz der politischen Gemeinden befinden. Nur schon dieser Umstand macht die Agilität der Energieversorger zunichte, und dieser träge Haufen dann noch mit dem Apparat OpenAXS koordinieren zu wollen, ist ein Ding der Unmöglichkeit.
Ein paar Beispiele: St. Gallen nimmt neben Zürich eine Vorreiter-Rolle ein, hat die Volksabstimmung zum Ausbau des Glasfasernetzes bereits hinter sich, und man setzt auf Layer-2 FTTH mit aktiven
Ausserdem ist man sich im OpenAXS Verband überhaupt nicht einig, wie die Produkte respektive die Port-Bandbreiten koordiniert werden sollen. St.Gallen hat ein 30mbps/30mbps Profil implementiert, während in Zürich man künstlich "kastrierte" asymmetrische Profile wie 10mbps/2mbps vorherrschen und die interessanten symmetrischen Profile für Heimanwender gar nicht zahlbar sind. Dies nur unter der Prämisse, die existierenden hochpreisigen Business-Anschlüsse nicht zu kanibalisieren, die Kehrseite ist jedoch, dass sich kaum jemand für FTTH interessiert, denn die Differenzierung zu herkömmliche ADSL-, VDSL- oder Cable-Anschlüssen ist marginal.
Ein weiterer Aspekt sind die unterschiedlichen Vorstellungen der Preisgestaltung für unbeleuchtete Glasfasern. Preise von (vernünftigen) 90 Rappen pro Meter und Jahr für ein Darkfibre-Paar bis zu (wucherpreisigen) 15 Franken für die selbe Leistung sind an der Tagesordnung - je nachdem in welcher Stadt man als Kunde eine Glasfaser einkaufen möchte.
Wie viel einfacher hat es da Swisscom: auch wenn das einstige PTT-Denken noch nicht ganz überwunden ist, hat man doch klare Vorstellungen über Produkte, Services und Optionen. Es gibt ein national einheitliches Produkt, eine straffe Umsetzung und vorhandene Provisionierungs-Systeme. Das ist um ein vielfaches zielführender als der Flickenteppich der Werke.
Aus meiner Sicht gibt es nur zwei Ansätze für die Energieversorger: entweder a) ein reines Layer-1 FTTH ab den Ortszentralen, wo Swisscom und alle anderen Serviceprovider ihr eigenes Equipment betreiben, und die Fibre zum Haushalt in einem System à la TAL-Kupferleitung zur Verfügung gestellt wird; oder b) ein richtiges Layer-3 FTTH, wo der Energieversorger als lokaler Internet Service Provider am Markt auftritt. Für b) spricht insbesondere, dass der lokale Stromversorger bereits eine Beziehung mit dem Endkunden hat, und gegen eine weitere Zeile "Internet Access" auf der Stromrechnung spricht eigentlich nichts. Dieses Modell funktioniert in Deutschland und Österreich übrigens bestens.
Das von den meisten OpenAXS-Mitgliedern favorisierte Layer-2 FTTH mit aktiven Komponenten ist bereits scheintot, bevor es überhaupt richtig zum Leben erwachte. Zumindest im Hinblick auf die wahrlich nicht berauschenden Take-Rates bei ewz Zürinet müsste man zu diesem Schluss kommen. Fakt ist: Layer-2 FTTH macht Fibre-to-the-home bloss teuer und unflexibel und damit nicht konkurrenzfähig zu VDSL, ADSL 2+ und mit DOCSIS 3.0 Cable-Internet.
Friday, 25. September 2009
Post von Cablecom, Abt. Public Affairs oder: So funktioniert Lobbying
von Fredy Künzler
Vor ein paar Tagen erhielt ich Post von Cablecom. Nein, keines dieser Werbeschreiben, die bloss den Altpapierstapel höher machen (bei Cablecom hat man wohl mittlerweile gemerkt, dass ich resistent bin gegen Digital TV). Unterzeichnet hat den Brief Kurt Walser, Dr. oec. HSG, Leiter Public Affairs cablecom. Public Affairs? Jawohl, das ist die Lobbying-Abteilung des grössten Cable-Internet Providers der Schweiz. Der Brief ging nicht nur an mich, sondern an eine Reihe weiterer Leute, doch davon später mehr.
Am 24. August 2009 reichte in meiner Funktion als Parlamentarier der Stadt Winterthur die Interpellation "Glasfasernetz der Stadtwerk (Winterthur)" ein, zusammen mit zwei MitinterpellantInnen und 37 MitunterzeichnerInnen (total also 40 von 60 Ratsmitgliedern). Darin frage ich den Stadtrat (die Exekutive) unter anderem an, wie er die Stimmberechtigten in die Diskussion über ein flächendeckendes Glasfasernetz einbeziehen wolle (der in der Interpellation genannte Artikel des Landboten). Die Winterthurerinnen und Winterthurer sollen nicht in ein paar Jahren neidvoll nach St. Gallen blicken. Dort nämlich hat das Stimmvolk einen Kredit über CHF 78 Mio für ein flächendeckendes Glasfasernetz mit grossem Mehr bewilligt. Die St. Galler Strategen holten in der Folge Swisscom ins Boot und handelten eine Kooperation aus, die den geplanten Ausbau noch massiv beschleunigt. In nur 5 Jahren, also bereits 2014 oder 2015 hat St. Gallen ein flächendeckendes Glasfasernetz und praktisch die ganze Bevölkerung kann richtig fette FTTH-Anschlüsse abonnieren. Adieu popeliges ADSL! Adieu überlastetes Cable-Internet! Meine nicht repräsentative Umfrage vor einiger Zeit hier zeigte, dass 67% der Leserschaft symmetrische Anschlüsse bevorzugen würde, könnte man sie technisch realisieren und würden sie nicht aus Marketingüberlegungen künstlich begrenzt.
Meine Interpellation soll mithelfen, dass man in Winterthur die Entwicklung nicht verschläft. Doch genau dies wäre eigentlich das Ansinnen des Kurt Walser, Leiter Public Affairs cablecom. Sein Brief an mich sowie die FraktionspräsidentInnen und weitere Personen des Grossen Gemeinderats ist im wesentlichen eine Schlaftablette. Cablecom hat offenbar in Winterthur und weiteren Ortschaften mit dem Rollout des Cable-Internet Standards DOCSIS 3.0 begonnen. DOCSIS 3.0 ermöglicht viel schnellere Bandbreiten als herkömmliches Cable-Internet (und ADSL / VDSL), hat aber einen signifikanten Nachteil: es bleibt ein shared Medium (man teilt die Bandbreite mit hunderten von Nachbarn, je nach Zellengrösse) und der Upload-Speed bleibt, naja, bescheiden. Dass Cablecom die neuen DOCSIS 3.0 Anschlüsse als "Fiber Power" deklariert, ist natürlich ein Etikettenschwindel. Denn auch das Produkt "Fiber Power Internet 100" von Cablecom kommt per Coaxial-Kabel in die gute Stube (siehe die dem Brief beiliegenden Slides von Cablecom).
Cablecom versucht gezielt, involvierte GemeinderätInnen davon zu überzeugen, dass ein flächendeckendes Glasfasernetz der Stadtbevölkerung nicht viel bringe, weil ja bereits alternative Breitbandtechnologien vorhanden seien. In Tat und Wahrheit will Cablecom aber eine allfällige Konkurrenz von Anfang an abzuwürgen. Bekanntlich ist das bessere der Feind des guten, und Fibre-to-the-home ist einem gesharten DOCSIS 3.0 Anschluss massiv überlegen. State-of-the-Art Technologie von heute ist morgen veraltet, und St. Gallen (Zürich, Basel, Genf ...) hat morgen einen signifikanten Standortvorteil, wenn man in Winterthur nichts tut.
Lieber Herr Walser: Danke für den Brief. Es ist nett, dass ich auf Ihrem Radar aufgetaucht bin. Doch meine Interpellation ist noch kein Kreditantrag und es wird auch nicht im Rat darüber abgestimmt. Statt den netten, verklausulierten Sätzen schreiben Sie doch künftig besser:
Vor ein paar Tagen erhielt ich Post von Cablecom. Nein, keines dieser Werbeschreiben, die bloss den Altpapierstapel höher machen (bei Cablecom hat man wohl mittlerweile gemerkt, dass ich resistent bin gegen Digital TV). Unterzeichnet hat den Brief Kurt Walser, Dr. oec. HSG, Leiter Public Affairs cablecom. Public Affairs? Jawohl, das ist die Lobbying-Abteilung des grössten Cable-Internet Providers der Schweiz. Der Brief ging nicht nur an mich, sondern an eine Reihe weiterer Leute, doch davon später mehr.
Am 24. August 2009 reichte in meiner Funktion als Parlamentarier der Stadt Winterthur die Interpellation "Glasfasernetz der Stadtwerk (Winterthur)" ein, zusammen mit zwei MitinterpellantInnen und 37 MitunterzeichnerInnen (total also 40 von 60 Ratsmitgliedern). Darin frage ich den Stadtrat (die Exekutive) unter anderem an, wie er die Stimmberechtigten in die Diskussion über ein flächendeckendes Glasfasernetz einbeziehen wolle (der in der Interpellation genannte Artikel des Landboten). Die Winterthurerinnen und Winterthurer sollen nicht in ein paar Jahren neidvoll nach St. Gallen blicken. Dort nämlich hat das Stimmvolk einen Kredit über CHF 78 Mio für ein flächendeckendes Glasfasernetz mit grossem Mehr bewilligt. Die St. Galler Strategen holten in der Folge Swisscom ins Boot und handelten eine Kooperation aus, die den geplanten Ausbau noch massiv beschleunigt. In nur 5 Jahren, also bereits 2014 oder 2015 hat St. Gallen ein flächendeckendes Glasfasernetz und praktisch die ganze Bevölkerung kann richtig fette FTTH-Anschlüsse abonnieren. Adieu popeliges ADSL! Adieu überlastetes Cable-Internet! Meine nicht repräsentative Umfrage vor einiger Zeit hier zeigte, dass 67% der Leserschaft symmetrische Anschlüsse bevorzugen würde, könnte man sie technisch realisieren und würden sie nicht aus Marketingüberlegungen künstlich begrenzt.
Meine Interpellation soll mithelfen, dass man in Winterthur die Entwicklung nicht verschläft. Doch genau dies wäre eigentlich das Ansinnen des Kurt Walser, Leiter Public Affairs cablecom. Sein Brief an mich sowie die FraktionspräsidentInnen und weitere Personen des Grossen Gemeinderats ist im wesentlichen eine Schlaftablette. Cablecom hat offenbar in Winterthur und weiteren Ortschaften mit dem Rollout des Cable-Internet Standards DOCSIS 3.0 begonnen. DOCSIS 3.0 ermöglicht viel schnellere Bandbreiten als herkömmliches Cable-Internet (und ADSL / VDSL), hat aber einen signifikanten Nachteil: es bleibt ein shared Medium (man teilt die Bandbreite mit hunderten von Nachbarn, je nach Zellengrösse) und der Upload-Speed bleibt, naja, bescheiden. Dass Cablecom die neuen DOCSIS 3.0 Anschlüsse als "Fiber Power" deklariert, ist natürlich ein Etikettenschwindel. Denn auch das Produkt "Fiber Power Internet 100" von Cablecom kommt per Coaxial-Kabel in die gute Stube (siehe die dem Brief beiliegenden Slides von Cablecom).
Cablecom versucht gezielt, involvierte GemeinderätInnen davon zu überzeugen, dass ein flächendeckendes Glasfasernetz der Stadtbevölkerung nicht viel bringe, weil ja bereits alternative Breitbandtechnologien vorhanden seien. In Tat und Wahrheit will Cablecom aber eine allfällige Konkurrenz von Anfang an abzuwürgen. Bekanntlich ist das bessere der Feind des guten, und Fibre-to-the-home ist einem gesharten DOCSIS 3.0 Anschluss massiv überlegen. State-of-the-Art Technologie von heute ist morgen veraltet, und St. Gallen (Zürich, Basel, Genf ...) hat morgen einen signifikanten Standortvorteil, wenn man in Winterthur nichts tut.
Lieber Herr Walser: Danke für den Brief. Es ist nett, dass ich auf Ihrem Radar aufgetaucht bin. Doch meine Interpellation ist noch kein Kreditantrag und es wird auch nicht im Rat darüber abgestimmt. Statt den netten, verklausulierten Sätzen schreiben Sie doch künftig besser:
Liebe Gemeinderätin, lieber Gemeinderat,
Bitte lehnen Sie ein flächendeckendes Glasfasernetz der Stadtwerk ab. Deren Anschlüsse konkurrieren unsere Produkte und Dienstleistungen massiv, und das finden wir nicht cool. Ihre Treue zu Cablecom schätzen wir sehr. Als Dankeschön möchten wir Ihnen eines der folgenden Produkte aus unserer Palette kostenlos zur Verfügung stellen (bitte kreuzen Sie das gewünschte Produkt an):
[ ] Digital TV
[ ] Fiber Power 100
[ ] Premium Support Telefonnummer mit garantiertem SLA für ihr bestehendes Cablecom Produkt
Mit freundlichen Grüssen,
Kurt Walser, Dr. oec HSG, Public Affairs cablecom
Geschrieben von Fredy Künzler
in Politik
um
17:33
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Tags für diesen Artikel: cablecom, ewz, fibre-to-the-home, ftth, glasfaser, glasfasernetz, lobby, lobbying, st.gallen, stadtwerk, swisscom, winterthur, zürinet
Wednesday, 15. July 2009
Warum es eben doch IPv6 Handlungsbearf für die öffentliche Hand gibt ...
von Fredy Künzler
Um die Einführung von IPv6 in Unternehmen oder in öffentlichen Institutionen zu argumentieren, ist mitunter manchmal schwierig, denn Ignoranz à la "es besteht derzeit kein Handlungsbedarf" wie in der Stadt Winterthur scheint weit verbreitet zu sein. Da kam mir das Video mit Patrik Fältström zum Thema "The Role of Government in IPv6 Deployment", aufgenommen am RIPE #58 Meeting, gerade recht. Er bringt es auf den Punkt, dass eben doch IPv6 Handlungsbedarf besteht:
Um die Einführung von IPv6 in Unternehmen oder in öffentlichen Institutionen zu argumentieren, ist mitunter manchmal schwierig, denn Ignoranz à la "es besteht derzeit kein Handlungsbedarf" wie in der Stadt Winterthur scheint weit verbreitet zu sein. Da kam mir das Video mit Patrik Fältström zum Thema "The Role of Government in IPv6 Deployment", aufgenommen am RIPE #58 Meeting, gerade recht. Er bringt es auf den Punkt, dass eben doch IPv6 Handlungsbedarf besteht:
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Leserbrief im Landboten: Hellgrün (GLP) trägt ein hellbraunes Unterhemd





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